Optionspreise enthalten nicht nur eine Erwartung künftiger Schwankung, sondern auch eine Vergütung für Volatilitäts- und Tail-Risiko. Diese Vergütung heißt Volatilitätsrisikoprämie.
Was ist die Volatilitätsrisikoprämie?
Formal ist die Volatilitätsrisikoprämie die Differenz zwischen risikoneutral erwarteter und physisch erwarteter Varianz. Die erste Größe steckt in Optionspreisen. Die zweite ist eine statistische Erwartung unter der realen Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Beide Erwartungen sind nicht direkt beobachtbar. In der Praxis dient deshalb oft die Differenz zwischen implizierter Varianz und anschließend realisierter Varianz als Ex-post-Näherung. Bei Aktienindizes war diese Differenz historisch im Mittel häufig positiv. Sie vergütet unter anderem das Risiko konzentrierter Verluste in Stressphasen.
Praxisbeispiel
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Die 30-Tage-IV am Geld eines Index beträgt 20 %. Über die folgenden 30 Tage realisiert der Index 16 %. Wird die ATM-IV hier nur als grobe Näherung für implizierte Varianz verwendet, beträgt die Ex-post-Differenz 0,20² minus 0,16², also 0,0144 annualisierte Varianzeinheiten. Eine modellfreie implizierte Varianz wird dagegen aus einer breiten Menge von Optionsstrikes abgeleitet.
Diese Zahl ist kein Geldgewinn. Eine delta-gehedgte Short-Volatilitäts-Position kann von der Differenz profitieren. Ihre PnL hängt aber von Gamma über den Spotpfad, Hedgefrequenz, Sprüngen, Skew und Kosten ab. Ein Implied Move liefert ebenfalls nur dann belastbare Evidenz, wenn viele vergleichbare Ereignisse ausgewertet werden.
Short-Volatilitäts-Exposures entstehen etwa über verkaufte Straddles, Strangles oder Iron Condors. Ein Covered Call enthält zusätzlich ein Aktienrisiko. Die Strukturen vereinnahmen die Prämie deshalb nicht auf identische Weise.
Die VRP kann im langfristigen Mittel positiv und in einzelnen Schockfenstern stark negativ sein. Eine Sharpe Ratio erfasst Verluste, sobald sie im verwendeten Renditeintervall liegen. Kurze Stichproben, negative Schiefe und geglättete oder selten bewertete Positionen können das Tail-Risiko vorher trotzdem verdecken. Positionsgröße und Liquiditätsreserve bleiben deshalb entscheidend.
Kernaussage
Die Volatilitätsrisikoprämie vergütet das Tragen von Volatilitäts- und Tail-Risiko. Formal vergleicht sie erwartete Varianz unter zwei Wahrscheinlichkeitsmaßen. Implizierte minus realisierte Varianz ist eine Ex-post-Näherung. Der Abstand in Volatilitätspunkten ist keine direkte Options-PnL.