Vor Quartalszahlen ist oft nicht die Richtung entscheidend, sondern die Größe der möglichen Bewegung. Der Implied Move übersetzt Optionspreise dafür in eine Spanne. Welche Spanne gemeint ist, hängt von der verwendeten Konvention ab.
Was ist der Implied Move?
Als Implied Move wird eine aus Optionspreisen abgeleitete Bewegung bis zu einem Stichtag bezeichnet. In der Praxis sind zwei Konventionen verbreitet, die nicht dieselbe Größe messen.
Der Preis eines Straddles am Geld, geteilt durch den Kurs, zeigt näherungsweise den Abstand zu den Break-Evens am Verfall. Unter vereinfachten Modellannahmen lässt er sich auch als preisimplizite absolute Bewegung lesen. Die Formel aus impliziter Volatilität und Wurzel der Zeit liefert dagegen eine Ein-Standardabweichungs-Spanne.
Ein-Sigma-Spanne ≈ IV × √(T/365) (IV annualisiert, T in Kalendertagen)
Praxisbeispiel
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Eine Aktie steht bei 100 Euro. Der Straddle mit Verfall nach den Quartalszahlen kostet 8 Euro. Seine Break-Evens liegen näherungsweise bei 92 und 108 Euro. Die Straddle-Spanne beträgt damit 8 %.
Ein unabhängiges zweites Rechenbeispiel: Eine implizite Volatilität von 24 % ergibt über 30 Kalendertage eine Ein-Sigma-Spanne von rund 6,9 %. Das ist kein zweiter Rechenweg zum ersten Ergebnis, sondern eine andere statistische Größe mit eigenen Eingangswerten.
Beide Werte liefern einen Vergleichsmaßstab. Eine niedrigere oder höhere Bewegungserwartung beschreibt zunächst nur eine Short- oder Long-Volatilitäts-These. Ob und wie sie umgesetzt wird, hängt zusätzlich von Skew, Laufzeit, Pfad, Kosten, Liquidität, Margin und Tail-Risiko ab. Der nachträgliche Vergleich über viele Beobachtungen ist eine Möglichkeit, die Volatilitätsrisikoprämie zu untersuchen.
Der Implied Move ist eine Preisinformation unter Modellannahmen, keine Prognosegrenze. Tatsächliche Bewegungen können die Spanne deutlich überschreiten. Die Zahl sagt außerdem nichts über die Richtung. Die Straddle-Spanne gilt für die Break-Evens am Verfall. Vorher verändern auch Restlaufzeit, Spotpfad und implizite Volatilität den Positionswert.
Kernaussage
Der Implied Move übersetzt Optionspreise in eine Bewegungsspanne bis zum Stichtag. Die Straddle-Spanne beschreibt näherungsweise die Break-Evens am Verfall. Die IV-Formel beschreibt eine Ein-Sigma-Spanne. Erst die genannte Konvention macht die Zahl vergleichbar.