Die implizite Volatilität steckt im Optionspreis. Die realisierte Volatilität misst die tatsächlich beobachtete Schwankung. Der Vergleich erklärt einen wichtigen Teil der Optionsbewertung, aber nicht automatisch den Gewinn einer Position.
Was ist realisierte Volatilität?
Realisierte Volatilität (RV) misst die Schwankungsbreite eines Kurses über einen zurückliegenden Zeitraum. Der Standardweg verwendet tägliche Renditen, berechnet ihre Standardabweichung und annualisiert sie.
Eine RV von 16 % entspricht unter der gewählten Methode einer annualisierten Standardabweichung von 16 %. Unter Normalverteilungsannahme sind das typische Tagesbewegungen von rund 1 %, also 16 % geteilt durch √252 Handelstage.
Die Messung ist eine Entscheidung
Die Messung hängt vom Fenster ab. Eine RV über 21 Handelstage reagiert schnell. Fenster über 63 oder 252 Tage glätten stärker. Fällt ein Ausreißertag aus dem kurzen Fenster, kann die RV sinken, obwohl sich das aktuelle Risiko nicht verändert hat.
Auch die Datenbasis zählt. Schlusskurs zu Schlusskurs erfasst die Nettoveränderung zwischen zwei Handelstagen, aber nicht den Intraday-Pfad, die Handelsspanne oder Bewegungen, die bis zum Schluss zurücklaufen. Verfahren mit Tageshochs und Tagestiefs oder Intraday-Daten erfassen andere Schwankungen. Zwei RV-Werte sind deshalb nur bei gleicher Methode und gleichem Fenster vergleichbar.
Wofür das Paar aus RV und IV steht
Die implizite Volatilität (IV) ist eine aus Optionspreisen abgeleitete Modellgröße. Die RV misst nachträglich, welche Schwankung eingetreten ist. Liegt die IV über der späteren RV, war die Volatilitätskomponente für eine Short-Volatilitäts-Position unter sonst gleichen Bedingungen günstig. Das ist die Grundidee hinter der Volatilitätsrisikoprämie.
Aus IV minus RV folgt aber kein sicherer Optionsgewinn. Bei ungehedgten Positionen zählen Richtung und Payoff. Bei delta-gehedgten Positionen hängt die PnL gamma-gewichtet von realisierter gegenüber impliziter Varianz ab. Hedgefrequenz, Sprünge, Skew und Transaktionskosten verändern das Ergebnis.
Auch der Implied Move gewinnt erst über viele vergleichbare Beobachtungen an Aussagekraft. Ein einzelnes Fenster ist eine Realisation, keine Schätzung des fairen Optionspreises.
RV beschreibt die Vergangenheit des gewählten Fensters. Volatilität tritt zwar typischerweise in Clustern auf, doch an Regimewechseln kann eine Fortschreibung versagen. Vor einem Schock kann die gemessene RV niedrig sein. Eine mechanische Verwendung als Prognose unterschätzt deshalb Sprung- und Regimerisiken.
Kernaussage
Realisierte Volatilität misst die beobachtete Schwankung eines zurückliegenden Fensters. Methode, Datenfrequenz und Annualisierung gehören zu jeder Angabe. Der Vergleich mit IV erklärt eine Volatilitätskomponente der Options-PnL, nicht das gesamte Positionsergebnis.