Allgemein Sharpe-Quotient / Risikoadjustierte Rendite

Sharpe Ratio

Zwei Depots, beide mit 8 % Rendite im Jahr: Das eine schwankte dabei wie ein Sparbuch, das andere wie ein Krypto-Portfolio. Wer nur die Rendite vergleicht, sieht keinen Unterschied. Die Sharpe Ratio wurde erfunden, um genau diesen Unterschied in eine Zahl zu fassen.

Was ist die Sharpe Ratio?

Die Sharpe Ratio setzt die durchschnittliche Differenz zwischen Investmentrendite und risikofreiem Proxy ins Verhältnis zur Volatilität dieser Differenzrenditen. Der Proxy muss zur Währung und Periode passen. Für eine kurzlaufende US-Dollar-Betrachtung können etwa T-Bills als Näherung dienen.

Definition Ex-post-Sharpe = Mittelwert der periodischen Differenzrenditen / Standardabweichung der periodischen Differenzrenditen

Praxisbeispiel

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Ein Depot erzielt 8 % Jahresrendite bei 10 % Volatilität, der risikofreie Zins liegt bei 3 %. Die Sharpe Ratio beträgt (8 − 3) / 10 = 0,5. Ein zweites Depot mit denselben 8 % Rendite, aber 25 % Volatilität, kommt bei gleicher Methodik auf 0,2.

Vergleichbar sind Kennzahlen nur bei gleicher Währung, Frequenz, Annualisierung, Bewertungsmethode und möglichst ähnlichem Messzeitraum. Die übliche Skalierung mit der Wurzel der Periodenzahl setzt unter anderem voraus, dass Autokorrelation die Zeitaggregation nicht wesentlich verzerrt. Ergänzende Kennzahlen wie maximaler Drawdown und Expected Shortfall bilden andere Risikoeigenschaften ab.

Symmetrisches Maß, asymmetrische Strategien

Die Volatilität im Nenner behandelt Auf- und Abwärtsschwankungen gleich und misst die Ränder der Verteilung nicht. Strategien mit vielen kleinen Gewinnen und seltenen großen Verlusten, wie manche Formen des Prämienverkaufs, können deshalb über längere Zeit eine hohe Sharpe Ratio zeigen, obwohl erhebliches Tail-Risiko besteht. Kurze Messfenster, geglättete Bewertungen und die Auswahl der besten Variante aus vielen Backtests können die Kennzahl zusätzlich nach oben verzerren. Die Sortino Ratio berücksichtigt nur Abwärtsschwankungen, ersetzt aber ebenfalls kein Tail-Maß.

Kernaussage

Differenzrendite je Einheit Volatilität

Die Sharpe Ratio misst die durchschnittliche Differenzrendite je Einheit ihrer Volatilität. Unter einheitlicher Methodik unterstützt sie den Vergleich verschiedener Renditeverläufe. Asymmetrie und Tail-Risiko bildet sie nicht direkt ab, deshalb ergänzt sie Tail- und Drawdown-Maße, statt sie zu ersetzen.