Anleihen / Fixed Income Yield to Maturity

Rendite auf Verfall (YTM)

Was ist die Rendite auf Verfall?

Eine Anleihe zahlt 3 % Coupon, notiert aber bei 91,34. Was verdient man wirklich, wenn man sie heute kauft und bis zum Ende hält? Die Antwort gibt die Rendite auf Verfall, englisch Yield to Maturity (YTM). Sie ist gemeint, wenn am Anleihenmarkt schlicht von „der Rendite“ gesprochen wird.

Formal ist die YTM der Zinssatz, mit dem alle künftigen Zahlungen der Anleihe (Coupons und Nennwert) abgezinst genau den heutigen Kaufpreis ergeben: der interne Zinsfuß der Investition, also die jährliche Verzinsung bei Halten bis zur Fälligkeit und Wiederanlage der Coupons zur YTM.

Preisgleichung (y = YTM)
P = C/(1+y)¹ + C/(1+y)² + … + C/(1+y)ⁿ + F/(1+y)ⁿ

Dabei ist P der heutige Preis, C die Couponzahlung je Periode, F der Nennwert und N die Zahl der Perioden. Preis und Rendite sind untrennbar verbunden: Steigt die Rendite, muss der Preis fallen, und umgekehrt. Wie stark, sagt die Duration; wie gekrümmt der Zusammenhang ist, die Konvexität.

Praxisbeispiel: Coupon 3 %, Rendite 5 %

Eine Anleihe mit Nennwert 100, jährlichem Coupon von 3 % und 5 Jahren Restlaufzeit notiert bei 91,34. Die Probe mit 5 % Abzinsung: Die fünf Coupons von je 3 sind heute zusammen 12,99 wert, der Nennwert von 100 in fünf Jahren 78,35. Summe: 91,34, exakt der Kaufpreis. Die YTM beträgt also 5,00 %.

3,00 %
Nominalzins
Coupon auf den Nennwert
3,28 %
Laufende Rendite
Coupon 3 / Kurs 91,34
5,00 %
Rendite auf Verfall
inkl. Kursgewinn zum Nennwert

Die Differenz erklärt der Kaufkurs: Wer bei 91,34 einsteigt, erhält am Ende den vollen Nennwert 100 zurück. Diese 8,66 Punkte Kursgewinn heben die Rendite deutlich über den Coupon. Bei einem Kauf über dem Nennwert wäre es umgekehrt: Die YTM läge unter dem Coupon.

Cashflows der Beispielanleihe (Kauf 91,34, Coupon 3, Nennwert 100)

Cashflows der Beispielanleihe (Kauf 91,34, Coupon 3, Nennwert 100) Zeit in Jahren heute −91,34 +3 +3 +3 +3 +103 1 2 3 4 5 YTM 5 % = interner Zinsfuß

Ein Sonderfall macht das Prinzip klar: T-Bills zahlen keinen Coupon. Ihre gesamte Rendite entsteht daraus, dass sie unter dem Nennwert gekauft und zum Nennwert fällig werden; die YTM ist hier reine Abzinsungsrechnung mit einer Zahlung.

Häufiges Missverständnis

Die YTM ist kein garantierter Ertrag

Die YTM steht nur dann am Ende tatsächlich auf dem Konto, wenn bis zur Fälligkeit gehalten wird und die Coupons zur YTM wieder angelegt werden. Bei vorzeitigem Verkauf entscheidet der dann gültige Marktzins über Gewinn oder Verlust, mit dem Hebel der Duration. Fällt der Wiederanlagezins, bleibt der realisierte Ertrag hinter der YTM zurück. Sicher ist bei einer Staatsanleihe nur der nominale Zahlungsstrom.

Warum die YTM überall steckt

Die YTM ist die Vergleichsgröße des gesamten Anleihenmarkts. Die Zinsstrukturkurve trägt je Laufzeit nichts anderes ab als die YTM der jeweiligen Staatsanleihe. Der Credit Spread einer Unternehmensanleihe ist die Differenz ihrer YTM zur laufzeitgleichen Staatsanleihe. Und bei TIPS ist die YTM eine reale Rendite; ihr Abstand zur nominalen ergibt die Breakeven Inflation.

Kernaussage

Eine Zahl für alle Zahlungen

Die Rendite auf Verfall ist der Abzinsungssatz, der Coupons und Nennwert exakt auf den heutigen Preis bringt: der interne Zinsfuß der Anleihe. Sie vereint Coupon und Kursgewinn oder Kursverlust zum Nennwert in einer Größe und macht Anleihen über Laufzeiten und Emittenten hinweg vergleichbar. Ein garantierter Ertrag ist sie nicht: Auch bei Halten bis zur Fälligkeit hängt die realisierte Rendite von der Wiederanlage der Coupons ab; hinzu kommen das Ausfallrisiko, bei Unternehmensanleihen relevant, bei US-Staatsanleihen praktisch vernachlässigbar, und gegebenenfalls Kündigungsrechte des Emittenten.