Was ist eine T-Bill?
Eine T-Bill (Treasury Bill) ist eine kurzlaufende US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr. Regulär emittiert das US-Finanzministerium sie mit Laufzeiten von vier bis 52 Wochen; am Sekundärmarkt werden auch kürzere Restlaufzeiten gehandelt.
Die Besonderheit: T-Bills sind Null-Coupon-Anleihen. Es gibt keine Zinszahlung. Bei positiver Rendite liegt der Preis unter dem Nennwert; bei Fälligkeit zahlt das US-Finanzministerium 100 zurück. Die Rendite steckt vollständig in diesem Abschlag (Diskont).
Null-Coupon, Diskontpapier
Halbjährlicher Coupon
Halbjährlicher Coupon
Wie funktioniert der Diskont?
Bei unveränderter Marktrendite nähert sich der Kurs Tag für Tag dem Nennwert an. Das ergibt eine faktisch tägliche Verzinsung ohne Ausschüttungstermine und ohne Sprünge im Kurs. Wer bis zur Fälligkeit hält, kennt seine Rendite vom Kauftag an. Wer vorher verkauft, verkauft zum Marktpreis, der je nach Zinsentwicklung leicht über oder unter der reinen Aufzinsung liegen kann; bei der kurzen Duration einer T-Bill sind diese Ausschläge klein, aber nicht null.
Praxisbeispiel: Rendite nachrechnen
Gekauft wird eine T-Bill mit 91 Tagen Restlaufzeit zum Kurs von 98,80; bei Fälligkeit gibt es 100.
Rendite = (100 / Kaufkurs − 1) × 365 / Tage
Eingesetzt: 100 / 98,80 − 1 = 1,21 % Periodenrendite. Annualisiert: 1,21 % × 365 / 91 ≈ 4,87 % pro Jahr. Mit Zinseszins aufgezinst wären es rund 4,96 %; welche Konvention die Handelsplattform anzeigt, sollte man kennen, bevor man Renditen verschiedener Instrumente vergleicht.
T-Bills in der Praxis
Die Wahl der Laufzeit bestimmt, wann das gebundene Geld wieder verfügbar ist. Im Beispiel läuft eine verkaufte Put-Option am 20. Juni aus. Eine T-Bill mit Fälligkeit am 19. Juni würde das Cash vor einer möglichen Andienung freigeben. Das zeigt die Laufzeitenabstimmung zwischen Sicherheit und Verpflichtung, nicht eine allgemeine Laufzeitempfehlung. Bei Fälligkeit wird der Nennwert automatisch eingebucht; ein vorzeitiger Verkauf erfolgt dagegen zum Marktpreis und kann Ordergebühren auslösen.
Bei Interactive Brokers werden T-Bills in Schritten von 1.000 US-Dollar gehandelt und binden kaum Margin. Wo die Rendite je Laufzeit gerade steht, verrät ein Blick auf das kurze Ende der Zinsstrukturkurve: Ist sie invers, bringt die kürzere Laufzeit mehr als die längere, weil die längere bereits erwartete Zinssenkungen einpreist.
T-Bills liegen sehr weit am risikoarmen Ende der Skala, aber nicht bei null: Erhöht der US-Kongress die Schuldenobergrenze nicht rechtzeitig, kann die Auszahlung fälliger Papiere ins Stocken geraten. Und anders als am Aktienmarkt gibt es für Anleihen kein NBBO: Angezeigte Preise sind Interessensbekundungen, keine verbindlichen Quotes. Ob eine Limitorder zum Mittelpreis ausgeführt wird, hängt von Liquidität und Gegenangebot ab.
TIPS ergänzen den Vergleich um einen Schutz gegen US-Inflation. SOFR ist dagegen eine Referenzgröße für den kurzfristigen US-Zins. Die T-Bill bleibt eine handelbare, kurzlaufende Forderung an das US-Finanzministerium.
Kernaussage
Eine T-Bill ist eine US-Staatsanleihe mit bis zu einem Jahr Laufzeit. Sie zahlt keinen Coupon und wird zu 100 fällig. Bei positiver Rendite liegt ihr Preis darunter, die Rendite steckt im Diskont. Kurs, Liquidität, Fälligkeit und Währungsrisiko bestimmen, wie sie sich in einem Euro-Portfolio verhält.