Anleihen / Fixed Income Treasury Inflation-Protected Securities

TIPS

Was sind TIPS?

Eine gewöhnliche Anleihe zahlt einen festen Coupon auf einen festen Nennwert. Steigen die Preise, schrumpft die Kaufkraft beider Zahlungen. TIPS (Treasury Inflation-Protected Securities) setzen genau hier an: Es sind US-Staatsanleihen, deren Nennwert laufend an den US-Verbraucherpreisindex (CPI) angepasst wird. Steigen die Preise, steigt der Nennwert mit, und weil der Coupon als fester Prozentsatz auf diesen angepassten Nennwert gezahlt wird, wächst auch die Zinszahlung. Die Kaufkraft des eingesetzten Kapitals bleibt so weitgehend erhalten.

Ein Zahlenbeispiel zur Mechanik: Im Depot liegen TIPS mit 100.000 US-Dollar Nennwert und 1,5 % Coupon. Die US-Inflation beträgt 3 %. Der Nennwert steigt auf 103.000 US-Dollar, und der Coupon von 1,5 % wird auf diesen angepassten Wert gezahlt: 1.545 statt 1.500 US-Dollar. Beide Zahlungsströme wachsen mit der Inflation mit.

Der Nennwert wandert mit dem Preisindex

Der Nennwert wandert mit dem Preisindex 110 100 Zeit (Inflation läuft auf) TIPS: angepasster Nennwert Nominale Anleihe: Nennwert 100

Realrendite: der Preis, der wirklich bezahlt wird

Der Coupon ist bei TIPS nicht die interessante Größe; er wird bei der Emission festgelegt und ändert sich nie. Gehandelt wird die Realrendite, also der Ertrag über der Inflation. Sie hängt über eine einfache Zerlegung mit der Rendite nominaler Anleihen zusammen:

Zerlegung der Nominalrendite
Nominalrendite = Realrendite + Breakeven Inflation

Rentiert die nominale Anleihe bei 4,5 % und die gleich lange TIPS bei 2,2 % real, preist der Markt eine Breakeven Inflation von 2,3 % ein. Fällt die tatsächliche Inflation höher aus, schneidet die TIPS in diesem vereinfachten Vergleich besser ab. Fällt sie niedriger aus, liegt die nominale Anleihe vorn, etwa eine klassische Treasury oder am kurzen Ende eine T-Bill.

Das häufigste Missverständnis

Hohe aktuelle Inflation bedeutet nicht automatisch, dass TIPS günstig bewertet sind. Ist die Inflation bereits breit erwartet, steckt ein großer Teil davon in der Breakeven Inflation. Bei gegebener Nominalrendite sinkt dadurch die Realrendite, also der vertragliche Ertrag oberhalb der Inflation. In Extremphasen notierten TIPS sogar mit negativen Realrenditen.

Für den Vergleich mit einer nominalen Anleihe zählen deshalb die Realrendite, die eingepreiste Breakeven Inflation, die Restlaufzeit und die später realisierte Inflation. Die Schlagzeileninflation allein liefert kein Timing-Signal.

Höhere Realrendite, niedrigere Breakeven

  • Höherer vertraglicher Ertrag oberhalb der Inflation
  • Weniger künftige Inflation im Preis berücksichtigt
  • Größere relative Wirkung bei Inflation oberhalb der Breakeven

Niedrige Realrendite, höhere Breakeven

  • Geringer oder negativer Ertrag oberhalb der Inflation
  • Mehr künftige Inflation bereits berücksichtigt
  • Höhere Hürde gegenüber der nominalen Anleihe

Principal Floor und die Grenzen des Schutzes

Bei Fälligkeit zahlt das US-Finanzministerium mindestens den ursprünglichen Nennwert zurück, auch nach einer Deflationsphase (Principal Floor). Der Floor schützt allerdings nur den ursprünglichen Nennwert, nicht den gezahlten Kaufpreis, und nicht den Kurs während der Laufzeit: TIPS reagieren wie jede Anleihe über ihre Duration auf Renditeänderungen, hier auf die Realrendite. Steigen die Realrenditen, fällt der Kurs, umso stärker, je länger die Laufzeit. Das Jahr 2022 hat das eindrücklich vorgeführt. Wo die Realrenditen im Vergleich zur Zinsstrukturkurve der nominalen Papiere stehen, lässt sich täglich am Markt ablesen.

Schutz in US-Dollar, nicht in Euro

TIPS schützen gegen die US-Inflation, gemessen am CPI, und sie wirken in US-Dollar. Gegen die Inflation im Euroraum schützen sie nicht unmittelbar. Für Anleger, die in Euro rechnen, kommt das Währungsrisiko hinzu: Eine Abwertung des US-Dollar kann Inflationsausgleich und Realrendite überlagern.

Kernaussage

Nicht die Inflation entscheidet, sondern die Bewertung

TIPS koppeln Nennwert und Zinszahlung an den US-Verbraucherpreisindex und schützen so gegen unerwartete US-Inflation. Der Vergleich mit einer nominalen Anleihe hängt nicht an der Inflation von heute, sondern an Realrendite, Breakeven Inflation, Restlaufzeit und später realisierter Inflation. Hohe aktuelle Inflation allein sagt deshalb nichts über die relative Bewertung aus.