Was ist Moneyness?
Liegt der Kurs über oder unter dem Strike einer Option? Moneyness beschreibt genau dieses Verhältnis zwischen Aktienkurs und Strike, nicht den Gewinn oder Verlust der Position. Es ist das grundlegendste Ordnungsprinzip im Optionshandel und bestimmt maßgeblich, wie sich alle Greeks verhalten.
Ob eine Option ITM oder OTM ist, sagt nichts darüber, ob die Position im Plus steht. Eine ITM Option kann im Minus liegen (etwa weil sie zu teuer eingekauft wurde), eine OTM Option kann im Gewinn sein (etwa nach einem Volatilitätsanstieg). Moneyness vergleicht ausschließlich Kurs und Strike, niemals Einstandspreis und aktuellen Optionswert.
Innerer Wert vorhanden
Kurs ≈ Strike
Kein innerer Wert
Wie funktioniert Moneyness?
Die drei Zonen verhalten sich grundlegend unterschiedlich, sowohl im Risikoprofil als auch in der Sensitivität gegenüber Marktbewegungen. Für Calls und Puts liegen die Zonen spiegelbildlich um den Strike:
In the Money (ITM)
Die Option hat inneren Wert. Bei Calls: Kurs über dem Strike. Bei Puts: Kurs unter dem Strike. Erst tief im Geld nähert sich das Delta eines Long Calls +1, das eines Long Puts −1. Knapp im Geld kann der Betrag noch nahe 0,5 liegen. Restlaufzeit, Volatilität, Zinsen und Dividenden beeinflussen den konkreten Wert.
At the Money (ATM)
Der Kurs liegt nahe am Strike. Hier sind Gamma, Theta und Vega am stärksten ausgeprägt. Delta liegt bei ca. ±0,50. ATM Optionen besitzen den höchsten Zeitwert und die größte Unsicherheit über das Verfallsergebnis.
Out of the Money (OTM)
Die Option hat keinen inneren Wert. Bei Calls: Kurs unter dem Strike. Bei Puts: Kurs über dem Strike. Erst weit aus dem Geld nähert sich Delta 0. Knapp aus dem Geld kann die Option weiterhin deutlich auf den Basiswert reagieren. Auch Volga hängt von Abstand zum Strike, Restlaufzeit und Volatilität ab. OTM Optionen sind stark direktionale Wetten mit asymmetrischem Payoff und hoher Sensitivität auf Volatilitätsänderungen.
Moneyness in der Praxis
Die Tabelle zeigt typische Tendenzen für Long-Optionen bei vergleichbarer Restlaufzeit und Volatilität. Die äußeren Spalten beschreiben weit aus dem Geld beziehungsweise tief im Geld liegende Optionen. Es sind keine festen Werte für jede ITM- oder OTM-Option:
| Greek | Weit OTM | ATM | Tief ITM |
|---|---|---|---|
| Delta | Nahe 0 | Häufig nahe ±0,50 | Nahe ±1 |
| Gamma | Meist gering | Häufig hoch | Meist gering |
| Theta | Häufig gering | Oft stark negativ | Zins- und dividendenabhängig |
| Vega | Meist gering | Häufig hoch | Meist gering |
| Volga | Modellabhängig | Häufig gering | Modellabhängig |
ITM: Delta-Spiel
- Direktionale Wette mit Hebelwirkung
- Niedrige Greeks-Komplexität
- Geringer Zeitwertverlust relativ zum Gesamtwert
ATM: Greeks-Maximum
- Maximale Sensitivität auf alle Faktoren
- Höchster Zeitwert und schnellster Verfall
- Beliebteste Zone für aktives Trading
OTM: Volatilitätswette
- Günstig in der Prämie, hohes Totalverlustrisiko
- Volga dominiert bei Vol-Spikes
- Asymmetrisches Auszahlungsprofil
Mit abnehmender Restlaufzeit wird die Moneyness zunehmend binär: ITM konvergiert gegen Delta 1 (bzw. −1 für Puts), OTM gegen Delta 0. Am Verfallstag existiert kein Übergang mehr: Die Option ist entweder im Geld oder wertlos. Moneyness ist nicht statisch: Sie verschiebt sich mit jeder Kursbewegung und bestimmt laufend neu, welche Greeks dominieren.