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Shadow Greeks

Was sind Shadow Greeks?

Die Lehrbuch Greeks gehen von einer Welt aus, die es nicht gibt: konstante Volatilität. Shadow Greeks zeigen, was in der echten Welt passiert.

In der Realität bewegt sich die implizite Volatilität mit dem Kurs mit. Fällt der Markt, steigt an den Aktienmärkten typischerweise die Volatilität. Steigt der Markt, sinkt sie meist. Die Standard Greeks ignorieren diese Korrelation vollständig und unterschätzen dadurch das tatsächliche Risiko. Shadow Greeks korrigieren diesen blinden Fleck.

Wie funktionieren Shadow Greeks?

Der Grundgedanke ist einfach: Statt die Volatilität einzufrieren und nur den Kurs zu bewegen (Standard Greeks), bewegen Shadow Greeks Kurs und Volatilität gleichzeitig, so wie es in echten Märkten typischerweise geschieht.

Shadow Γ
Inkl. Smile & Skew
Shadow Θ
Theta + Vega Effekt
Power Vega
Vega / √T
1
Standard Greek: „Wie ändert sich mein Portfolio, wenn der Kurs um 1% fällt?“ (Volatilität bleibt konstant.)
2
Shadow Greek: „Wie ändert sich mein Portfolio, wenn der Kurs um 1% fällt und die Volatilität gleichzeitig um 2 Punkte steigt?“ (Realistisches Szenario.)
3
Differenz: Der Unterschied zwischen beiden Antworten kann erheblich sein, besonders in Stressphasen.

Shadow Greeks in der Praxis

Shadow Gamma

Das theoretische Gamma behandelt beide Richtungen gleich: Die Delta Änderung bei +1% Kursbewegung ist näherungsweise identisch zur Delta Änderung bei −1%. In der Realität ist das nie der Fall, weil ein Kursfall die Volatilität typischerweise nach oben treibt und ein Kursanstieg sie senkt.

Up Gamma

  • Delta Änderung bei steigendem Basiswert
  • Inkl. Volatilitätsreaktion (IV sinkt bei Anstieg)
  • Typischerweise kleiner als Down Gamma

Down Gamma

  • Delta Änderung bei fallendem Basiswert
  • Inkl. Volatilitätsreaktion (IV steigt bei Fall)
  • Systematisch größer (negativer Skew)
Up/Down Gamma: Asymmetrie um den aktuellen Kurs

Up/Down Gamma: Asymmetrie um den aktuellen Kurs Δ hoch Δ tief Kurs des Basiswerts Aktueller Kurs Kurs fällt, IV steigt: Delta reagiert stärker (Down Gamma) Kurs steigt, IV fällt: Delta reagiert schwächer (Up Gamma)

Shadow Theta

Theoretisches Theta misst den Zeitwertverfall bei konstanter Volatilität. In der Praxis sinkt die Volatilität in ruhigen Märkten typischerweise mit: Der reale Verlust ist dann größer als vorhergesagt, das vorzeichenbehaftete Shadow Theta also negativer als das Standard Theta.

Ruhiger Markt

  • Volatilität sinkt zusätzlich zum Zeitablauf
  • Realer Verfall stärker als theoretisch
  • Shadow Theta < Standard Theta (negativer)

Vor Events

  • Volatilität steigt trotz Zeitablauf
  • Reverse Decay: Option verliert kaum an Wert
  • Shadow Theta > Standard Theta (evtl. sogar positiv)

Power Vega

Vega roh über alle Laufzeiten zu addieren ist irreführend, weil kurzfristige Volatilität impulsiver reagiert als langfristige. Eine Laufzeit-Gewichtung von Vega ist deshalb in der Praxis verbreitet; „Power Vega“ bezeichnet dabei eine mögliche Normierungskonvention:

Normalisierung
Power Vega = Vega / √T   (T = Restlaufzeit in Jahren)
Das Problem mit Standard Greeks

In Crashszenarien kann das effektive Delta (inklusive der Volatilitätsreaktion) erheblich vom theoretischen Black-Scholes Delta abweichen. Wer auf Basis theoretischer Greeks hedgt, ist in Stressphasen systematisch zu niedrig gehedgt. Shadow Greeks sind eine Szenario-Heuristik, die diesen blinden Fleck adressiert, aber kein einheitlicher Marktstandard: Gängigere Alternativen sind Sticky Strike und Sticky Delta Szenarien sowie Szenarien über die vollständige Volatilitätsoberfläche.

Kernaussage

Shadow Greeks zeigen das reale Risiko

Die Welt, in der Volatilität konstant bleibt, existiert nicht. Kurs und Volatilität bewegen sich typischerweise gemeinsam. Shadow Greeks berücksichtigen diese Korrelation und liefern deshalb ein deutlich realistischeres Risikobild als Standard Greeks, besonders in den Momenten, in denen es darauf ankommt: in Stressphasen.