Was ist der Strike?
Jede Option beantwortet eine Frage: Zu welchem Kurs darf gekauft oder verkauft werden? Die Antwort ist der Strike, auch Basispreis oder Ausübungspreis genannt. Er ist der vertraglich fixierte Kurs, zu dem der Optionsinhaber den Basiswert beziehen (Call) oder liefern (Put) darf. Der Strike wird beim Abschluss festgelegt und bleibt über die gesamte Laufzeit unverändert, während der Marktkurs um ihn herum schwankt.
Call
- Recht, den Basiswert zum Strike zu kaufen
- Wertvoll, wenn der Kurs über den Strike steigt
- Ausübungswert bei Verfall: max(Kurs − Strike, 0)
Put
- Recht, den Basiswert zum Strike zu verkaufen
- Wertvoll, wenn der Kurs unter den Strike fällt
- Ausübungswert bei Verfall: max(Strike − Kurs, 0)
Wie funktioniert der Strike?
Der Strike ist der Knickpunkt des Auszahlungsprofils. Diesseits davon verfällt die Option wertlos, jenseits davon wächst ihr Ausübungswert Punkt für Punkt mit dem Kurs:
Aus dem Verhältnis von Kurs und Strike ergibt sich die Moneyness: Der Strike ist die feste Marke, die Moneyness der bewegliche Zustand. Ein Call mit Strike 100 ist bei Kurs 90 aus dem Geld, bei Kurs 110 im Geld, der Strike selbst hat sich dabei nicht bewegt. Börsen bieten Optionen in gestaffelten Strike-Abständen an; diese Auswahl je Verfallstermin bildet die Optionskette.
Der Strike in der Praxis
Ein Beispiel: Eine Aktie notiert bei 100 EUR. Gekauft wird ein Call mit Strike 100 für 4 EUR Prämie, Laufzeit drei Monate.
Dass der Kurs über dem Strike liegt, heißt nur, dass der Call inneren Wert hat. Gewinn entsteht erst oberhalb des Breakeven, also Strike plus gezahlte Prämie (im Beispiel 104 EUR). Zwischen Strike und Breakeven gibt es bei Verfall zwar etwas zurück, aber weniger, als die Option gekostet hat.
Die Wahl des Strikes ist die wichtigste Stellschraube beim Optionskauf, denn sie legt fest, welche Greeks das Risikoprofil dominieren: Strikes tief im Geld liefern ein Delta nahe 1 und verhalten sich fast wie die Aktie. Strikes am Geld tragen maximales Gamma und Theta, also die höchste Sensitivität und den schnellsten Zeitwertverfall. Strikes weit aus dem Geld sind günstige, aber unwahrscheinliche Wetten mit hoher Sensitivität auf die implizite Volatilität.
Fortgeschritten
Der Strike ist auch die Referenzgröße der Volatilitätskurve: Der Markt quotiert für jeden Strike eine eigene implizite Volatilität, sichtbar als Volatility Smile und Skew. Zwei Calls auf denselben Basiswert mit unterschiedlichen Strikes sind deshalb nicht nur verschieden weit vom Kurs entfernt, sie werden auch mit unterschiedlicher Volatilität bepreist.
An Verfallstagen wirken Strikes mit großem offenen Interesse häufig wie Anziehungspunkte: Das Hedging der Optionshändler kann den Kurs nahe einem stark gehandelten Strike einklemmen. Für Optionsinhaber entsteht daraus das Pin-Risiko: die Ungewissheit, ob eine Option, deren Strike fast exakt am Kurs liegt, ausgeübt wird oder wertlos verfällt.
Der Strike ist der feste Bezugspunkt jeder Option: Er definiert Auszahlungsprofil, Breakeven und über die Moneyness das gesamte Greeks-Profil. Kurs und Volatilität schwanken, der Strike nicht. Wer eine Option auswählt, wählt in Wahrheit zuerst einen Strike, und damit ein Risikoprofil.