Zwei Anleger, je 100.000 EUR, drei Monate Zeit. Der eine legt sein Geld im Euro-Geldmarkt an. Der andere tauscht in Dollar, kassiert den höheren US-Zins und sichert den Rücktausch per Termin ab. Wer hat am Ende mehr? Keiner. Genau das ist die Zinsparität.
Was ist die Zinsparität?
Die (gedeckte) Zinsparität, englisch Covered Interest Rate Parity, ist die Arbitragebeziehung, die den Kurs jedes FX Forward an die Zinsdifferenz der beiden Währungen bindet. Sie besagt: Eine währungsgesicherte Anlage muss in beiden Währungen dasselbe Ergebnis liefern. Der höhere Dollarzins ist kein Gratisgeschenk; er wird über den Terminkurs exakt wieder einkassiert.
Forward ÷ Spot = (1 + Zins USD × t) ÷ (1 + Zins EUR × t)
Aufgelöst nach dem Forward ist das genau die Preisformel des Termingeschäfts. Die Differenz zwischen Forward und Spot, die Forward Punkte, ist damit nichts anderes als die Zinsdifferenz in Wechselkurseinheiten.
Praxisbeispiel
Angenommene Beispielwerte: Spot EUR/USD 1,0800, USD-Zins 5,3 % (etwa SOFR oder die Rendite kurzer T-Bills), EUR-Zins 3,9 %, Laufzeit 90 Tage:
Weg A, Euro direkt: 100.000 × (1 + 0,039 × 90 ÷ 360) = 100.975 EUR
Weg B, Umweg über den Dollar: 100.000 EUR werden zum Spot in 108.000 USD getauscht und zu 5,3 % angelegt: 108.000 × (1 + 0,053 × 90 ÷ 360) = 109.431 USD. Der Rücktausch wird heute per Forward fixiert; mit dem ungerundeten Forward Kurs von 1,08374 ergibt das 109.431 ÷ 1,08374 = 100.975 EUR.
Beide Wege enden auf den Euro genau gleich. Der Terminkurs von 1,0837 ist exakt der Kurs, bei dem der Zinsvorteil des Dollars verschwindet.
Warum die Parität hält
Läge der Forward höher, würde jede Bank Weg B wählen und risikolos mehr verdienen als im Euro-Geldmarkt; läge er tiefer, liefe die Arbitrage andersherum. Dieser Handel braucht keine Meinung und kein Risiko, nur Kapital. Deshalb wird jede Abweichung sofort wegarbitriert, und der Forward klebt an der Zinsdifferenz.
Seit der Finanzkrise 2008 hält die Parität nicht mehr auf den Basispunkt genau: Bilanzkosten und Dollarknappheit erzeugen eine kleine, meist einstellige bis niedrige zweistellige Abweichung in Basispunkten, die Cross Currency Basis. In Stressphasen weitet sie sich aus. Für die Größenordnung der Absicherungskosten eines Privatanlegers bleibt die Parität trotzdem die maßgebliche Rechengrundlage.
Häufiges Missverständnis
Die gedeckte Zinsparität sagt nichts darüber, wo der Spotkurs in drei Monaten stehen wird. Das behauptet erst die ungedeckte Zinsparität, eine Hypothese, die empirisch oft scheitert: Höher verzinste Währungen werten keineswegs zuverlässig ab, häufig fließt Kapital gerade in die Währung mit dem höheren Zins. Für Anleger heißt das: Die Absicherungskosten stehen fest, das Ergebnis des Nichtabsicherns nicht.
Kernaussage
Die Zinsparität bindet den Forward an die Zinsdifferenz: Währungsgesichert liefern Euro und Dollar dasselbe Ergebnis. Daraus folgen die Forward Punkte, der Preis des FX Swap und letztlich die Kosten jeder Währungsabsicherung.