Eine US-Aktie kann in Dollar unverändert stehen und für ein Euro-Depot trotzdem verlieren. Der Grund ist das Fremdwährungsrisiko: Der Wert der Anlage hängt nicht nur am Wertpapier, sondern auch am Wechselkurs.
Was ist Fremdwährungsrisiko?
Fremdwährungsrisiko ist die Wertänderung eines Vermögens in der Heimatwährung, die allein aus einer Bewegung des Wechselkurses entsteht. Wer in Euro rechnet und US-Dollar-Anlagen hält, ist wirtschaftlich long US-Dollar. Steigt EUR/USD, wird der Dollar in Euro weniger wert. Fällt EUR/USD, gewinnt derselbe Dollarbestand in Euro gerechnet an Wert.
Wert in Euro = Wert in US-Dollar ÷ EUR/USD
Ein Beispiel mit konstantem Aktienkurs: 100.000 US-Dollar entsprechen bei EUR/USD 1,00 genau 100.000 Euro. Steigt der Wechselkurs auf 1,10, sind dieselben 100.000 US-Dollar nur noch 90.909 Euro wert. Der Währungsverlust beträgt 9.091 Euro, obwohl sich am Dollarwert der Anlage nichts geändert hat.
bleibt konstant
der Dollar fällt
Umrechnung
Die Börsenwährung ändert das Risiko nicht
Eine amerikanische Aktie bleibt eine Dollar-Anlage, auch wenn sie an einer deutschen Börse in Euro gehandelt wird. Der Eurokurs der Aktie enthält die Umrechnung bereits. Die Notierung macht das Währungsrisiko weniger sichtbar, sie beseitigt es nicht.
Davon zu trennen ist das wirtschaftliche Währungsrisiko des Unternehmens selbst. Ein US-Konzern kann Umsätze in Europa erzielen und dadurch auf einen stärkeren Euro reagieren. Dieses operative Risiko steckt im Aktienkurs und lässt sich mit einem einfachen Depot-Hedge nicht exakt neutralisieren. Die Absicherung des Depots nimmt nur die Umrechnung des gehaltenen Dollarwerts heraus.
Wie groß ist die offene Position?
Entscheidend ist die Netto-Exponierung. Zu den Dollar-Anlagen kommt Dollar-Cash hinzu. Dollar-Verbindlichkeiten und bereits vorhandene Hedges wirken dagegen. Die verfügbare Margin ist kein Maß für das Währungsrisiko, denn sie sagt nur, wie viel Sicherheitsleistung der Broker verlangt.
Dollar-Anlagen + Dollar-Cash
− Dollar-Verbindlichkeiten − bestehende Hedges
Der Netto-Liquidierungswert führt alle Positionen zum aktuellen Wechselkurs in der Basiswährung zusammen. Damit zeigt er die Wirkung des Wechselkurses auf das Gesamtvermögen. Die Basiswährung ist dabei eine Berichtseinstellung, keine Absicherung. Ein in Euro angezeigtes Konto bleibt ungesichert, solange die wirtschaftliche Dollarposition offen ist.
Was der Hedge leistet, und was nicht
Eine Long-Position im Euro gegen den Dollar schließt das bestehende Dollar-Risiko. Dafür kommen etwa ein FX Future oder ein FX Forward infrage. Steigt der Euro, verliert der Dollarbestand in Euro gerechnet, während der Hedge gewinnt. Fällt der Euro, läuft es umgekehrt.
Der Hedge reduziert
- die Umrechnungsschwankung des Dollarbestands
- den Währungsbeitrag zum Netto-Liquidierungswert
- die Abhängigkeit der Portfoliorendite von EUR/USD
Der Hedge lässt bestehen
- Aktien-, Zins- und Kreditrisiken
- operative Währungseffekte im Unternehmen
- Absicherungskosten, Roll- und Margin-Risiken
Eine vollständige Absicherung ist außerdem nur für den aktuellen Bestand vollständig. Steigen oder fallen die Positionen, verändert sich auch die Dollar-Exponierung. Der Hedge muss deshalb regelmäßig gegen den tatsächlichen Bestand geprüft werden.
Ob der Euro als Nächstes steigt oder fällt, ist eine andere Frage als die Größe des Risikos. Die Exponierung lässt sich messen, bevor eine Marktmeinung getroffen wird. Erst danach folgt die Entscheidung, ob sie vollständig, teilweise oder gar nicht abgesichert werden soll.
Kernaussage
Eine Fremdwährungsanlage verbindet das Risiko des Wertpapiers mit dem Risiko des Wechselkurses. Der Netto-Liquidierungswert macht beide sichtbar. Ein FX-Hedge reduziert den Wechselkursanteil, aber nicht das Risiko der Anlage selbst und nicht die laufenden Kosten der Absicherung.