Eine zehnjährige Rendite ist mehr als eine Prognose künftiger Leitzinsen. Sie enthält auch den Preis dafür, dass Kapital lange gebunden bleibt und sich die Zins- und Inflationslage in dieser Zeit ändern kann. Dieser zweite Baustein heißt Term Premium.
Was ist das Term Premium?
Das Term Premium vergütet das Zinsrisiko einer langlaufenden Anleihe. Der Vergleich ist eine Strategie, die kurzlaufende Anlagen über denselben Zeitraum immer wieder erneuert. Eine langfristige Rendite lässt sich deshalb in zwei Teile zerlegen:
Langfristige Rendite =
Durchschnitt erwarteter Kurzfristzinsen + Term Premium
Der erste Teil beschreibt den erwarteten Zinspfad. Der zweite Teil bezahlt die Unsicherheit um diesen Pfad. Dazu gehören unerwartete Inflation, schwankende Realzinsen und die Gefahr, dass eine lange Anleihe während der Haltedauer deutlich an Wert verliert.
Warum das Term Premium nicht direkt beobachtbar ist
Die Marktrendite ist sichtbar, ihre beiden Bestandteile sind es nicht. Niemand kann aus dem Kurs einer zehnjährigen Anleihe direkt ablesen, welcher Anteil auf erwartete Kurzfristzinsen und welcher auf das Term Premium entfällt. Modelle wie das ACM-Modell der New Yorker Fed schätzen beide Größen aus der gemeinsamen Bewegung vieler Laufzeiten und weiterer Marktdaten.
Damit ist das Term Premium keine gemessene Marktzahl wie der SOFR. Es ist ein Modellergebnis. Verschiedene Modelle können für denselben Tag unterschiedliche Werte liefern. Auch ein negatives Term Premium ist möglich, etwa wenn eine starke Nachfrage nach sicheren Langläufern deren Renditen unter den erwarteten Pfad der Kurzfristzinsen drückt.
Die Zerlegung hilft bei der Erklärung. Sie bedeutet aber nicht, dass sich zwei getrennte Preise handeln lassen. Gekauft wird die Anleihe mit ihrer gesamten Rendite, und das geschätzte Term Premium kann später revidiert werden.
Ein Zahlenbeispiel
Angenommene Werte: Eine zehnjährige Staatsanleihe rentiert mit 4,3 %. Ein Modell schätzt den durchschnittlich erwarteten Kurzfristzins über die Laufzeit auf 3,6 %. Das geschätzte Term Premium beträgt damit 0,7 Prozentpunkte.
Zehnjahresrendite
der Kurzfristzinsen
Term Premium
Steigt das Term Premium bei unverändertem erwarteten Zinspfad um 0,5 Prozentpunkte, steigt unter sonst gleichen Bedingungen auch die langfristige Rendite. Der Anleihekurs fällt. Wie stark, zeigt die Duration; die Konvexität korrigiert die lineare Näherung für größere Bewegungen.
Was die Zinskurve daraus macht
Eine normale Zinsstrukturkurve wird oft mit einem positiven Term Premium erklärt: Lange Laufzeiten zahlen mehr, weil ihre Risiken größer sind. Das ist aber nur die halbe Erklärung. Die Kurve hängt zugleich am erwarteten Pfad der Kurzfristzinsen.
Eine inverse Zinskurve bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das Term Premium negativ ist. Meist erwartet der Markt fallende Kurzfristzinsen, und diese Erwartung überwiegt den Aufschlag für die lange Bindung. Umgekehrt kann eine steilere Kurve entstehen, weil der Markt höhere künftige Leitzinsen erwartet, weil das Term Premium steigt oder weil beides gleichzeitig passiert.
Erwartete Kurzfristzinsen
- spiegeln den erwarteten Pfad der Geldpolitik
- reagieren auf Wachstum und Inflation
- können eine inverse Kurve erklären
Term Premium
- vergütet Unsicherheit über die lange Laufzeit
- ist nur über Modelle schätzbar
- kann positiv oder negativ sein
Kernaussage
Eine langfristige Rendite verbindet erwartete Kurzfristzinsen mit dem geschätzten Preis des Laufzeitrisikos. Das Term Premium erklärt damit einen Teil der Bewegung am langen Ende. Es ist aber kein beobachtbarer Marktpreis und sollte nie ohne den erwarteten Zinspfad gelesen werden.