Anleihen / Fixed Income Laufzeitprämie / Term Risk Premium

Term Premium

Eine zehnjährige Rendite ist mehr als eine Prognose künftiger Leitzinsen. Sie enthält auch den Preis dafür, dass Kapital lange gebunden bleibt und sich die Zins- und Inflationslage in dieser Zeit ändern kann. Dieser zweite Baustein heißt Term Premium.

Was ist das Term Premium?

Das Term Premium vergütet das Zinsrisiko einer langlaufenden Anleihe. Der Vergleich ist eine Strategie, die kurzlaufende Anlagen über denselben Zeitraum immer wieder erneuert. Eine langfristige Rendite lässt sich deshalb in zwei Teile zerlegen:

Zerlegung der Rendite
Langfristige Rendite =
Durchschnitt erwarteter Kurzfristzinsen + Term Premium

Der erste Teil beschreibt den erwarteten Zinspfad. Der zweite Teil bezahlt die Unsicherheit um diesen Pfad. Dazu gehören unerwartete Inflation, schwankende Realzinsen und die Gefahr, dass eine lange Anleihe während der Haltedauer deutlich an Wert verliert.

Zerlegung einer Zehnjahresrendite (Beispielwerte)

Zerlegung einer Zehnjahresrendite in erwartete Kurzfristzinsen und Term Premium beobachtete Zehnjahresrendite 4,3 % erwartete Kurzfristzinsen 3,6 % Term Premium 0,7 %

Warum das Term Premium nicht direkt beobachtbar ist

Die Marktrendite ist sichtbar, ihre beiden Bestandteile sind es nicht. Niemand kann aus dem Kurs einer zehnjährigen Anleihe direkt ablesen, welcher Anteil auf erwartete Kurzfristzinsen und welcher auf das Term Premium entfällt. Modelle wie das ACM-Modell der New Yorker Fed schätzen beide Größen aus der gemeinsamen Bewegung vieler Laufzeiten und weiterer Marktdaten.

Damit ist das Term Premium keine gemessene Marktzahl wie der SOFR. Es ist ein Modellergebnis. Verschiedene Modelle können für denselben Tag unterschiedliche Werte liefern. Auch ein negatives Term Premium ist möglich, etwa wenn eine starke Nachfrage nach sicheren Langläufern deren Renditen unter den erwarteten Pfad der Kurzfristzinsen drückt.

Eine Schätzung, keine eigene Kurskomponente

Die Zerlegung hilft bei der Erklärung. Sie bedeutet aber nicht, dass sich zwei getrennte Preise handeln lassen. Gekauft wird die Anleihe mit ihrer gesamten Rendite, und das geschätzte Term Premium kann später revidiert werden.

Ein Zahlenbeispiel

Angenommene Werte: Eine zehnjährige Staatsanleihe rentiert mit 4,3 %. Ein Modell schätzt den durchschnittlich erwarteten Kurzfristzins über die Laufzeit auf 3,6 %. Das geschätzte Term Premium beträgt damit 0,7 Prozentpunkte.

4,3 %
beobachtete
Zehnjahresrendite
3,6 %
geschätzter Durchschnitt
der Kurzfristzinsen
0,7 %
geschätztes
Term Premium

Steigt das Term Premium bei unverändertem erwarteten Zinspfad um 0,5 Prozentpunkte, steigt unter sonst gleichen Bedingungen auch die langfristige Rendite. Der Anleihekurs fällt. Wie stark, zeigt die Duration; die Konvexität korrigiert die lineare Näherung für größere Bewegungen.

Was die Zinskurve daraus macht

Eine normale Zinsstrukturkurve wird oft mit einem positiven Term Premium erklärt: Lange Laufzeiten zahlen mehr, weil ihre Risiken größer sind. Das ist aber nur die halbe Erklärung. Die Kurve hängt zugleich am erwarteten Pfad der Kurzfristzinsen.

Eine inverse Zinskurve bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das Term Premium negativ ist. Meist erwartet der Markt fallende Kurzfristzinsen, und diese Erwartung überwiegt den Aufschlag für die lange Bindung. Umgekehrt kann eine steilere Kurve entstehen, weil der Markt höhere künftige Leitzinsen erwartet, weil das Term Premium steigt oder weil beides gleichzeitig passiert.

Erwartete Kurzfristzinsen

  • spiegeln den erwarteten Pfad der Geldpolitik
  • reagieren auf Wachstum und Inflation
  • können eine inverse Kurve erklären

Term Premium

  • vergütet Unsicherheit über die lange Laufzeit
  • ist nur über Modelle schätzbar
  • kann positiv oder negativ sein

Kernaussage

Die lange Rendite hat zwei Treiber

Eine langfristige Rendite verbindet erwartete Kurzfristzinsen mit dem geschätzten Preis des Laufzeitrisikos. Das Term Premium erklärt damit einen Teil der Bewegung am langen Ende. Es ist aber kein beobachtbarer Marktpreis und sollte nie ohne den erwarteten Zinspfad gelesen werden.