Wer Aktien besitzt und bereit wäre, sie zu einem höheren Kurs zu verkaufen, bekommt für genau dieses Versprechen vom Optionsmarkt sofort Geld: Das ist der Covered Call, die wohl meistgenutzte Optionsstrategie für Bestandshalter.
Was ist ein Covered Call?
Ein Covered Call (gedeckter Call) kombiniert einen Aktien- oder ETF-Bestand mit dem Verkauf einer Call-Option auf denselben Bestand: je 100 Stück ein Kontrakt. Der Verkäufer erhält sofort die Optionsprämie und verpflichtet sich im Gegenzug, die Stücke zum Strike abzugeben, falls der Kurs am Verfall darüber liegt. Gedeckt heißt die Position, weil die Lieferverpflichtung durch den Bestand abgedeckt ist; es entsteht keine unbegrenzte Verlustseite wie beim ungedeckten Call-Verkauf.
Praxisbeispiel
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Aktie bei 100 Euro, Verkauf eines Calls mit Strike 110 und einem Monat Laufzeit für 1,50 Euro Prämie je Aktie.
vereinnahmt
Puffer nach unten
Anstieg bis 110 plus Prämie
Drei Ausgänge am Verfall: Notiert die Aktie unter 100, dämpft die Prämie den Verlust um 1,50 Euro. Zwischen 100 und 110 behält man Aktie, Kursgewinn und Prämie, das Idealszenario. Über 110 werden die Stücke zum Strike abgegeben (oder der Call wird vorher zurückgekauft beziehungsweise gerollt); mehr als 11,50 Euro je Aktie sind nicht drin, egal wie weit der Kurs läuft. Bei Aktien- und ETF-Optionen amerikanischen Stils kann die Zuweisung zudem vorzeitig kommen, typischerweise kurz vor einem Dividendenstichtag, wenn ein Call tief im Geld kaum noch Zeitwert trägt: Dann verliert der Stillhalter Aktien und Dividende zugleich.
Ökonomisch verkauft der Covered Call Aufwärtspotenzial gegen sofortigen Zeitwert, dessen Verfall (Theta) hier für den Verkäufer arbeitet. Attraktiv ist das vor allem, wenn man dem Basiswert kurzfristig weniger Bewegung zutraut, als die implizite Volatilität einpreist; eine hohe Prämie allein ist noch kein Argument, sie ist zunächst nur die Vergütung für entsprechend hohes erwartetes Risiko. Die Strike-Wahl steuert den Charakter: Ein Strike weit über dem Kurs (kleines Delta) bringt wenig Prämie und lässt viel Kursfantasie, ein naher Strike maximiert die Prämie und die Wahrscheinlichkeit der Abgabe. Dasselbe Prinzip funktioniert übrigens nicht nur auf Aktien: Auch Absicherungspositionen lassen sich durch systematische Prämieneinnahmen verbilligen.
Der Covered Call ist keine Absicherung: Gegen einen Kursrutsch hilft nur die vereinnahmte Prämie, der restliche Verlust läuft voll durch. Getauscht wird unbegrenztes Aufwärtspotenzial gegen einen festen sofortigen Betrag. Dieser Tausch kostet in starken Aufwärtsphasen spürbar Rendite, und wer die Stücke keinesfalls abgeben will (etwa aus steuerlichen Gründen), muss den Call rechtzeitig zurückkaufen oder rollen, gegebenenfalls mit Verlust auf der Optionsseite.
Kernaussage
Der Covered Call verwandelt Verkaufsbereitschaft in laufende Einnahmen: Bestand halten, Call darauf verkaufen, Prämie vereinnahmen. Nach unten bleibt das Aktienrisiko abzüglich Prämie, nach oben ist bei Strike plus Prämie Schluss. Richtig eingesetzt ist er ein Renditebaustein für Seitwärtsphasen und teure Volatilität, kein Ersatz für eine Absicherung.