Was ist Delta Hedging?
Delta-Hedging reduziert die lokale Richtungssensitivität einer Optionsposition durch eine Gegenposition im Basiswert. Ein verkaufter gewöhnlicher Call wird durch Aktienkäufe abgesichert, ein verkaufter Put durch Aktienleerverkäufe. Entscheidend ist das vorzeichenbehaftete Positionsdelta.
Technisch gesprochen wird die Optionsposition durch den Kauf oder Verkauf des Basiswerts abgesichert, sodass das Positionsdelta auf null gestellt wird. Der lineare Kursbeitrag am aktuellen Bewertungspunkt ist dann näherungsweise null. Krümmung und andere Preisfaktoren bleiben bestehen.
Wie funktioniert Delta Hedging?
Das Delta einer Option ist die Hedge Ratio: Es gibt an, welcher Anteil des Basiswerts pro Einheit Kontraktgröße für die Absicherung gehalten werden muss. Die konkrete Aktienzahl ergibt sich erst aus Delta mal Kontraktgröße; ein Optionskontrakt umfasst in der Regel 100 Aktien.
Delta Hedging in der Praxis
Statisches Hedging (einmal absichern und vergessen) funktioniert nur bei kleinen Kursbewegungen. In der Realität ändert sich das Delta ständig. Deshalb sprechen professionelle Händler von dynamischem Hedging: Die Hedge-Position wird laufend angepasst. Je größer der Betrag des Positionsgamma, desto stärker ändert sich Delta bei kleinen Kursbewegungen. Die Anpassungshäufigkeit hängt zusätzlich von Bewegungen, Kosten und der gewählten Toleranz ab.
Long Gamma Hedging
- Kurs fällt: Delta sinkt → Aktien kaufen
- Kurs steigt: Delta steigt → Aktien verkaufen
- Systematisch: tief kaufen, hoch verkaufen
- Konvexität arbeitet für den Händler
Short Gamma Hedging
- Kurs fällt: Delta steigt → Aktien verkaufen
- Kurs steigt: Delta fällt → Aktien kaufen
- Systematisch: tief verkaufen, hoch kaufen
- Konvexität arbeitet gegen den Händler
Bei positivem Gamma folgen kursbedingte Hedge-Anpassungen dem Muster tiefer kaufen, höher verkaufen. Ob die Bruttoerträge des Gamma Scalping Zeitverlust, Finanzierung und Handelskosten decken, hängt vom Verlauf und der Position ab.
Fortgeschritten
Reines Delta Hedging hat drei fundamentale Grenzen:
Erstens: Gamma macht den Hedge bei Kursbewegungen veränderlich. Zweitens: Vega und weitere Sensitivitäten erfassen andere Preisfaktoren. Drittens: Modellannahmen können in Stressphasen unzureichend sein. Gemeinsame Kurs-/IV-Szenarien ergänzen die lokale Rechnung, garantieren aber kein vollständiges Risikobild.
Neben diesen Modellgrenzen gibt es eine rein praktische Hürde:
Jede Anpassung der Hedge-Position verursacht Transaktionskosten. In der Praxis muss ein Gleichgewicht zwischen Hedging-Genauigkeit und Kosten gefunden werden. Zu häufiges Hedging frisst Gewinne auf, zu seltenes Hedging lässt Risiken offen.
Kernaussage
Delta-Hedging reduziert den lokalen linearen Kursbeitrag einer Optionsposition. Der Hedge verändert sich mit Kurs, Zeit und IV und verursacht Kosten. Er beseitigt weder alle Kursrisiken noch Volatilitäts-, Sprung- und Liquiditätsrisiken.