Was kostet es, das Dollarrisiko eines US-Portfolios stillzulegen? Die Antwort steht auf keiner Abrechnung und in keinem Gebührenverzeichnis. Sie steckt im Terminkurs, und sie hat einen klaren Kern: die Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen.
Was sind Absicherungskosten?
Absicherungskosten (englisch Hedging Cost, im Marktjargon der Carry der Position) sind die laufenden Kosten einer Währungsabsicherung. Sie entstehen, weil der Forward Kurs vom Spotkurs abweicht: Liegt der US-Zins über dem Euro-Zins, notiert der Forward bei EUR/USD über dem Spot, und genau dieser Aufschlag, die Forward Punkte, ist der Preis des Hedges. Die Zinsparität sorgt dafür, dass dieser Preis im Kern der Zinsdifferenz entspricht.
Kosten p. a. = (Forward ÷ Spot − 1) × 360 ÷ Tage ≈ Zins USD − Zins EUR
Wie die Kosten anfallen
Die Kosten werden nicht abgebucht, sie laufen auf. Über die Laufzeit nähert sich der Terminkurs dem Spotkurs an, bis beide am Verfallstag zusammenfallen. Wer zur Absicherung Euro per Termin gekauft hat, verliert damit langsam den Aufschlag, den er beim Einstieg bezahlt hat. Beim Rollen über einen FX Swap oder Kalenderspread wird anschließend der nächste Kontrakt zur dann gültigen Zinsdifferenz gekauft, und die Rechnung beginnt von vorn.
Schematische Darstellung bei unverändertem Spotkurs: Real sind der künftige Spot, die laufende Bewertung des Kontrakts (Mark to Market) und die Rollkosten pfadabhängig.
Praxisbeispiel
Angenommene Beispielwerte: Spot EUR/USD 1,0800, USD-Zins 5,3 % (etwa SOFR oder kurze T-Bills), EUR-Zins 3,9 %. Der 3-Monats-Forward liegt bei 1,0837:
Kosten p. a. = (1,0837 ÷ 1,0800 − 1) × 360 ÷ 90 = 0,0035 × 4 = 1,39 %
Das liegt fast exakt auf der Zinsdifferenz von 1,4 Prozentpunkten. Auf eine abgesicherte US-Position von 100.000 EUR (108.000 USD) sind das rund 1.390 EUR im Jahr bzw. etwa 347 EUR je Quartal. Die Kosten der laufenden Periode sind bekannt, bevor der Hedge steht; bei jedem Roll stellt sich die Zinsdifferenz aber neu, über längere Zeiträume variieren die Kosten also mit dem Zinsbild.
Negativer Carry
- US-Zins über dem Euro-Zins, Forward über Spot
- Die Absicherung kostet laufend Geld
- Je größer die Zinsdifferenz, desto teurer der Hedge
Positiver Carry
- Euro-Zins über dem US-Zins, Forward unter Spot
- Man wird für die Absicherung bezahlt
- Kein Sonderfall: 2009 bis 2015 war der Hedge nahezu kostenlos
Häufiges Missverständnis
Absicherungskosten sind keine Gebühr und kein sicherer Verlust gegenüber dem Nichtabsichern. Sie sind der feste, gehandelte Preis dafür, ein unbegrenztes Wechselkursrisiko in eine kalkulierbare Größe zu verwandeln. Ob der Hedge sich am Ende „gelohnt“ hat, entscheidet der Kursverlauf; die Kosten der jeweiligen Periode stehen von Anfang an fest.
Niedrige Absicherungskosten und ein günstiger Einstiegszeitpunkt schließen sich historisch oft aus: Phasen geringer Zinsdifferenz gingen bei EUR/USD mit hohen Kursen einher. Wer wartet, bis der Hedge billig ist, hat den Anstieg des Euro dann meist schon als Währungsverlust getragen, und eine Ersparnis von 1 bis 2 % wiegt einen Verlust von 20 oder 30 % nicht auf.
Kernaussage
Über die Zinsparität wandert die Differenz zwischen US- und Euro-Zins als Aufschlag in den Forward und wird beim Halten und Rollen des Hedges Periode für Periode bezahlt. Sie sind transparent, planbar und der Maßstab, an dem jede Absicherungsentscheidung gemessen wird.