Anleihen / Fixed Income Treasury Bill

T-Bill

Was ist eine T-Bill?

Cash liegt bei den meisten Brokern schlecht oder gar nicht verzinst herum. Die T-Bill (Treasury Bill) ist das Standardinstrument, um genau das zu ändern: eine kurzlaufende US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr. Regulär emittiert das US-Finanzministerium sie mit Laufzeiten von vier bis 52 Wochen; am Sekundärmarkt lässt sich jede Restlaufzeit darunter kaufen.

Die Besonderheit: T-Bills sind Null-Coupon-Anleihen. Es gibt keine Zinszahlung. Stattdessen wird das Papier unter seinem Nennwert gekauft und bei Fälligkeit zu 100 zurückgezahlt. Die Rendite steckt vollständig im Abschlag (Diskont) beim Kauf.

Bills
Bis zu 1 Jahr
Null-Coupon, Diskontpapier
Notes
2 bis 10 Jahre
Halbjährlicher Coupon
Bonds
20 und 30 Jahre
Halbjährlicher Coupon

Wie funktioniert der Diskont?

Bei unveränderter Marktrendite nähert sich der Kurs Tag für Tag dem Nennwert an. Das ergibt eine faktisch tägliche Verzinsung ohne Ausschüttungstermine und ohne Sprünge im Kurs. Wer bis zur Fälligkeit hält, kennt seine Rendite vom Kauftag an. Wer vorher verkauft, verkauft zum Marktpreis, der je nach Zinsentwicklung leicht über oder unter der reinen Aufzinsung liegen kann; bei der kurzen Duration einer T-Bill sind diese Ausschläge klein, aber nicht null.

Diskontmechanik: Kauf unter 100, Rückzahlung zu 100

Diskontmechanik: Kauf unter 100, Rückzahlung zu 100 100 98,80 Kauf 91 Tage Laufzeit Fälligkeit Kauf zu 98,80 Rückzahlung zu 100

Praxisbeispiel: Rendite nachrechnen

Gekauft wird eine T-Bill mit 91 Tagen Restlaufzeit zum Kurs von 98,80; bei Fälligkeit gibt es 100.

Annualisierte Rendite (einfach)
Rendite = (100 / Kaufkurs − 1) × 365 / Tage

Eingesetzt: 100 / 98,80 − 1 = 1,21 % Periodenrendite. Annualisiert: 1,21 % × 365 / 91 ≈ 4,87 % pro Jahr. Mit Zinseszins aufgezinst wären es rund 4,96 %; welche Konvention die Handelsplattform anzeigt, sollte man kennen, bevor man Renditen verschiedener Instrumente vergleicht.

T-Bills in der Praxis

Der wichtigste Handgriff ist die Wahl der Laufzeit, und sie richtet sich nicht nach der höchsten Rendite, sondern nach dem Zeitpunkt, zu dem das Geld gebraucht werden könnte. Wer etwa eine Put-Option mit Verfall am 20. Juni verkauft hat, kauft T-Bills mit Fälligkeit am 19. Juni: Am Tag einer möglichen Andienung liegt das Cash wieder auf dem Konto. Eine auslaufende T-Bill kostet zudem nichts, das Geld wird automatisch eingebucht; ein vorzeitiger Verkauf kostet eine zusätzliche Ordergebühr, was sich über viele Rollvorgänge summiert.

Bei Interactive Brokers werden T-Bills in Schritten von 1.000 US-Dollar gehandelt und binden kaum Margin. Wo die Rendite je Laufzeit gerade steht, verrät ein Blick auf das kurze Ende der Zinsstrukturkurve: Ist sie invers, bringt die kürzere Laufzeit mehr als die längere, weil die längere bereits erwartete Zinssenkungen einpreist.

„Risikolos“ ist relativ, und Anleihen handeln nicht wie Aktien

T-Bills liegen sehr weit am risikoarmen Ende der Skala, aber nicht bei null: Erhöht der US-Kongress die Schuldenobergrenze nicht rechtzeitig, kann die Auszahlung fälliger Papiere ins Stocken geraten. Und anders als am Aktienmarkt gibt es für Anleihen kein NBBO: Angezeigte Preise sind Interessensbekundungen, keine verbindlichen Quotes. Der Versuch zum Mittelpreis lohnt trotzdem regelmäßig.

Wer statt US-Inflation Schutz sucht, greift zu TIPS; wer den kurzfristigen US-Zins als Referenzgröße braucht, schaut auf SOFR. Die T-Bill selbst bleibt das, was Berkshire Hathaway in dreistelliger Milliardenhöhe hält: die verzinste Form von Bargeld.

Kernaussage

Die T-Bill ist verzinstes Bargeld

Eine T-Bill ist eine US-Staatsanleihe mit bis zu einem Jahr Laufzeit, die ohne Coupon unter 100 gekauft wird und zu 100 fällig wird. Sie verzinst Barreserven täglich, ist faktisch so liquide wie Geld und bindet kaum Margin. Entscheidend ist die Laufzeit: Sie wird nach dem Zeitpunkt gewählt, zu dem das Cash gebraucht wird, nicht nach der höchsten Rendite, und die Fälligkeit erledigt den Verkauf gebührenfrei von selbst.