Ein Future kann über oder unter dem Kassapreis handeln, ohne falsch bewertet zu sein. Die Differenz bezahlt die Zeit zwischen heute und dem Liefertermin. Welche Kosten und Erträge in dieser Zeit anfallen, fasst die Cost of Carry zusammen.
Was ist die Cost of Carry?
Cost of Carry sind die Netto-Haltekosten eines Vermögenswerts über einen bestimmten Zeitraum. Zur Finanzierung kommen je nach Markt Lagerung, Versicherung oder andere Kosten hinzu. Laufende Erträge wie Zinsen, Dividenden oder Kupons werden abgezogen.
Cost of Carry =
Finanzierung + weitere Haltekosten − laufende Erträge
Bei einem lagerfähigen Basiswert bindet der Kassakauf heute Kapital. Ein Future verschiebt Zahlung und Lieferung in die Zukunft. Unter sonst gleichen Bedingungen muss der Terminpreis deshalb die Kosten abbilden, die beim Halten des Basiswerts bis zu diesem Termin entstehen. Nähern sich Future und Kassapreis dem Verfall, verschwindet dieser Zeitunterschied.
Ein Beispiel mit einer Anleihe
Angenommene Werte: Eine Anleihe wird bis zum Liefertermin drei Monate gehalten. Die Finanzierung kostet annualisiert 4,5 %, der Kuponertrag entspricht annualisiert 3,0 %. Ohne weitere Effekte beträgt die Netto-Cost-of-Carry grob 1,5 % pro Jahr beziehungsweise rund 0,375 % für drei Monate.
pro Jahr
pro Jahr
vor weiteren Effekten
Bei Anleihefutures ist die genaue Rechnung anspruchsvoller. Entscheidend sind der Repo-Satz für die Finanzierung, der Kupon der lieferbaren Anleihe, aufgelaufene Zinsen, der Konversionsfaktor und die Wahl der günstigsten lieferbaren Anleihe. Die einfache Differenz aus Finanzierung und Kupon zeigt die Richtung, ersetzt aber keine aktuelle Future-Bewertung.
Cost of Carry am Devisenmarkt
Bei Währungen stehen sich zwei Zinssätze gegenüber. Wer eine Fremdwährung heute kauft, verzichtet auf den Zins der abgegebenen Währung und erhält den Zins der gekauften Währung. Deshalb bestimmt die Zinsdifferenz über die Zinsparität den Abstand zwischen Spot- und Terminkurs.
Beim EUR/USD-Hedge sind die FX Forward Points die sichtbare Form dieser Rechnung. Liegt der US-Zins über dem Euro-Zins, kostet die Absicherung eines Dollarbestands typischerweise Carry. Die genaue Belastung steht im Terminpreis und wird im Glossar unter Absicherungskosten aus Sicht des Hedges erklärt.
Anleihefuture
- Finanzierung über den Repo-Markt
- Kupon wirkt als laufender Ertrag
- Lieferoption und Konversionsfaktor gehören in die Bewertung
FX Future oder Forward
- Zins der einen Währung gegen Zins der anderen
- FX Forward Points zeigen die Differenz
- der Hedge trägt positiven oder negativen Carry
Warum SOFR-Futures anders funktionieren
Ein SOFR-Future hat keinen lagerfähigen Kassabasiswert. Der Kontrakt wird gegen einen über das Quartal aufgelaufenen Zinssatz abgerechnet. Niemand kauft heute einen Bestand an SOFR und finanziert ihn bis zur Lieferung. Deshalb gibt es hier keine Cost of Carry nach derselben Arbitragebeziehung wie bei einer Anleihe oder Währung.
Daraus folgt nicht, dass eine SOFR-Position kostenlos ist. Die Position kann tägliche Gewinne und Verluste, Margin-Bedarf, Ordergebühren und Verluste beim Wechsel in ein anderes Zinsszenario erzeugen. Diese Posten sind reale Handelskosten, aber keine Cost of Carry des Basiswerts.
Marktteilnehmer verwenden positiven und negativen Carry nicht in jedem Markt gleich. Entscheidend ist deshalb nicht das Etikett, sondern die Cashflow-Rechnung: Welche Finanzierung wird bezahlt, welcher Ertrag wird vereinnahmt und aus wessen Sicht wird gerechnet?
Was die Zahl für einen Trade bedeutet
Carry ist der Preis des Wartens. Eine richtige Markterwartung kann trotzdem Geld verlieren, wenn die Bewegung zu klein ist oder zu spät kommt. Für einen länger gehaltenen Future-Spread reicht deshalb das Kursziel nicht. In die Rechnung gehört auch der Betrag, den Finanzierung, Konvergenz und Rollen bis dahin kosten oder einbringen.
Kernaussage
Cost of Carry verbindet Kassapreis und Terminpreis über die Netto-Haltekosten bis zum Verfall. Bei Anleihen zählen vor allem Finanzierung und Kupon, bei Währungen die beiden Geldmarktzinsen. Bei SOFR-Futures fehlt dagegen der lagerfähige Basiswert, deshalb gilt dort eine andere Preislogik.