Allgemein Net Liquidation Value / Nettoliquidationswert

Netto-Liquidierungswert (NLV)

Cash-Bestand, Depotwert, offene Futures-Gewinne, Optionsprämien: Ein aktives Konto zeigt viele Zahlen, und die meisten davon taugen nicht als Maß für das eigene Vermögen. Es gibt genau eine, die alles zusammenfasst: den Netto-Liquidierungswert.

Was ist der Netto-Liquidierungswert?

Der Netto-Liquidierungswert (Net Liquidation Value, NLV) ist der Wert, den ein Konto hätte, wenn alle Positionen in diesem Moment zu Marktpreisen glattgestellt und alle Fremdwährungsbestände in die Basiswährung getauscht würden. Er umfasst das Barguthaben in allen Währungen, den Marktwert aller Wertpapiere und Optionen sowie die aufgelaufenen Gewinne und Verluste offener Futures-Positionen, alles umgerechnet in die Basiswährung des Kontos. Bewertet wird zu Marktpreisen: Geld-Brief-Spannen und Gebühren, die eine tatsächliche Liquidation kosten würde, sind darin nicht enthalten.

Definition
NLV = Barguthaben (alle Währungen) + Marktwert aller Positionen + offene Futures-G/V, umgerechnet in die Basiswährung

Praxisbeispiel

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten für ein Konto mit Basiswährung Euro und einem Wechselkurs EUR/USD von 1,0800:

50.000 EUR
Barguthaben in Euro
185.185 EUR
US-Aktien: 200.000 USD
zu 1,0800 umgerechnet
−1.200 EUR
offener Verlust einer
Futures-Position
233.985 EUR
Netto-Liquidierungswert
die eine Vermögenszahl

An diesem Beispiel sieht man auch, warum der NLV für Anleger mit US-Positionen so wichtig ist: Der größte Posten hängt am Wechselkurs. Steigt EUR/USD auf 1,2000, wertet der Dollar also ab, sind dieselben 200.000 US-Dollar nur noch 166.667 Euro wert; der NLV sinkt um über 18.000 Euro, ohne dass eine einzige Aktie gefallen wäre. Genau diese Schwankung ist das Fremdwährungsrisiko, das ein FX Future oder FX Forward absichert. Und umgekehrt gilt: Ob eine Währungsabsicherung greift, liest man nicht an der Einzelposition ab, sondern daran, ob der NLV in der Heimatwährung auf Wechselkursbewegungen kaum noch reagiert. Aktienkurse, Zinsen und andere Faktoren bewegen ihn weiter; die Absicherung nimmt nur den Währungsbeitrag heraus.

Was der NLV nicht ist

NLV

  • Gesamtwert des Kontos zu Marktpreisen, in der Basiswährung
  • Die Bezugsgröße für Vermögenszuwachs und Absicherungsquoten
  • Ändert sich mit Kursen, Wechselkursen und offenen G/V

Barguthaben und Kaufkraft

  • Cash ist nur eine Komponente und kann bei Futures-Konten sogar negativ wirken, obwohl der NLV wächst
  • Kaufkraft und Margin-Kennzahlen messen Spielraum, nicht Vermögen
  • Wer Cash mit Vermögen verwechselt, misst Erfolg an der falschen Zahl
Die Basiswährung entscheidet, was gemessen wird

Der NLV wird in der Basiswährung des Kontos ausgewiesen. Steht sie auf US-Dollar, sieht ein Euro-Anleger sein Vermögen durch die Dollar-Brille: Eine Dollar-Abwertung erscheint dann nicht als Verlust, obwohl das Vermögen in Euro schrumpft. Die Basiswährung ändert dabei nichts an der wirtschaftlichen Exponierung, sie ist nur die Messlatte. Aber genau die muss stimmen: Wer in Euro lebt und rechnet, misst den NLV in Euro, am einfachsten über die Basiswährung des Kontos.

Kernaussage

Die eine Zahl, an der sich alles messen lässt

Der Netto-Liquidierungswert fasst Cash, Positionen und offene Gewinne und Verluste zu einem Marktwert in der Basiswährung zusammen. Er ist die Bezugsgröße für Vermögensentwicklung und Absicherungsentscheidungen, und er ist nur dann aussagekräftig, wenn die Basiswährung die eigene Heimatwährung ist.