Was ist die Breakeven Inflation?
Wie viel Inflation preist der Anleihemarkt gerade ein? Genau diese Frage beantwortet die Breakeven Inflation (auch Breakeven Inflation Rate). Sie ist die Differenz zwischen der Rendite einer nominalen Staatsanleihe und der Realrendite gleich langer TIPS. Anders gesagt: die durchschnittliche Inflation über die Laufzeit, bei der beide Papiere am Ende dasselbe abwerfen.
Breakeven = Nominalrendite − Realrendite
Ein Zahlenbeispiel: Die nominale US-Staatsanleihe rentiert bei 4,5 %, gleich lange TIPS handeln zu einer Realrendite von 2,2 %. Die Breakeven Inflation beträgt 4,5 % − 2,2 % = 2,3 %. Beide Ausgangsgrößen sind täglich am Markt beobachtbar; die Breakeven Rate ergibt sich als Differenz und ist damit eine der wenigen Inflationsprognosen, hinter der echtes Geld steht statt einer Umfrage.
Wie liest man die Breakeven Rate?
Die Breakeven Inflation ist eine Entscheidungsschwelle. Sie sagt nicht, welche Anleihe die „bessere“ ist, sondern unter welcher Bedingung welche gewinnt:
Realisierte Inflation über Breakeven
- TIPS schlagen die nominale Anleihe
- Der Inflationsausgleich zahlt mehr, als der Markt bepreist hat
- Typisch für Überraschungsinflation wie 2021/2022
Realisierte Inflation unter Breakeven
- Die nominale Anleihe gewinnt den Vergleich
- Der eingekaufte Inflationsschutz war zu teuer
- Typisch für Disinflationsphasen
Ob 2,3 % viel oder wenig sind, zeigt erst der historische Maßstab: Seit dem Ende des Goldstandards Anfang der 1970er Jahre lag die realisierte US-Durchschnittsinflation je nach Startjahr und Rechenweise in der Größenordnung von 3,8 bis 4,0 %. Gemessen daran ist eine Breakeven Rate von 2,3 % über 30 Jahre eine bemerkenswert optimistische Wette des Marktes auf stabile Preise. Fällt die Breakeven Rate am langen Ende, während die Zinsstrukturkurve invertiert, traut der Markt der Zentralbank die Inflationsbekämpfung zu, oft um den Preis einer Abkühlung.
Für die praktische Arbeit ist die Lesart „markterwartete Durchschnittsinflation“ die richtige Näherung. Genau genommen stecken zwei weitere Bestandteile darin: eine Inflationsrisikoprämie, die Käufer nominaler Anleihen für das Risiko unerwartet hoher Inflation verlangen und die die Breakeven Rate nach oben zieht, sowie eine Liquiditätsprämie der TIPS, deren Markt kleiner ist als der für nominale Staatsanleihen und die die Rate nach unten zieht. Ein sehr guter Indikator, aber kein reiner Erwartungswert.
Das häufigste Missverständnis
Eine hohe Realrendite und eine niedrige Breakeven Rate beantworten zwei verschiedene Fragen. Die hohe Realrendite sichert einen guten realen Ertrag der TIPS, sagt aber nichts darüber, ob TIPS besser abschneiden als nominale Anleihen gleicher Laufzeit; darüber entscheidet allein die Breakeven Rate im Vergleich zur später realisierten Inflation. Beide Größen gehören in die Kaufentscheidung, und beide sind unabhängig vom Kursrisiko während der Laufzeit: Steigen die Realrenditen nach dem Kauf, fällt der Kurs über die Duration, egal wie die Inflationswette am Ende ausgeht. Am kurzen Ende, etwa gegenüber einer T-Bill, spielt die Breakeven Logik entsprechend auf Sicht weniger Monate statt Jahrzehnte.
Kernaussage
Breakeven Inflation = Nominalrendite minus Realrendite gleicher Laufzeit. Sie zeigt, wie viel Inflation der Markt bereits bezahlt hat: Liegt die spätere realisierte Inflation darüber, gewinnen TIPS, liegt sie darunter, gewinnt die nominale Anleihe. Wer Inflationsschutz kauft, ohne auf die Breakeven Rate zu schauen, kennt den Preis seines Schutzes nicht.