Bei einem Straddle steht nicht die Richtung im Mittelpunkt, sondern die Größe der Kursbewegung. Das Auszahlungsprofil entsteht aus einem Call und einem Put mit demselben Strike und Verfall. Beim Strangle liegen die beiden Strikes dagegen auseinander.
Was ist ein Straddle?
Ein Long Straddle kombiniert den Kauf eines Calls und eines Puts mit demselben Strike, meist am Geld, und demselben Verfall. Steigt der Kurs deutlich, baut der Call inneren Wert auf. Fällt er deutlich, gilt das für den Put.
Am Verfall ist der Verlust auf die gezahlte Gesamtprämie begrenzt. Er ist am größten, wenn der Kurs genau am Strike endet und beide Optionen ohne inneren Wert verfallen.
Die Gegenseite ist der Short Straddle: Call und Put am selben Strike verkaufen, die Prämie vereinnahmen und darauf setzen, dass die Bewegung kleiner ausfällt als eingepreist. Diese Seite trägt das Spiegelrisiko: begrenzter Gewinn, nach oben theoretisch unbegrenzter und nach unten sehr großer Verlust.
Praxisbeispiel
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Eine Aktie steht bei 100 Euro. Der Call mit Strike 100 kostet 3 Euro, der Put mit Strike 100 ebenfalls 3 Euro. Der Straddle kostet 6 Euro je Aktie. Seine Break-Evens am Verfall liegen bei 94 und 106 Euro.
Der Straddlepreis geteilt durch den Kurs dient deshalb als verbreitete Näherung für einen Implied Move. Diese Zahl beschreibt zunächst den Abstand zu den Break-Evens. Sie ist weder ein statistischer Erwartungswert noch identisch mit einer Ein-Sigma-Spanne.
Vor dem Verfall wirken mehrere Größen gleichzeitig. Steigt die implizite Volatilität bei sonst gleichen Bedingungen, erhöht das Vega den Wert beider Optionen. Der Zeitwertverfall, gemessen durch Theta, wirkt in die Gegenrichtung. Auch eine Kursbewegung kann deshalb von einem Rückgang der impliziten Volatilität überlagert werden.
Ein Straddle wird vor dem Verfall nicht nur vom Kurs bestimmt. Restlaufzeit, implizite Volatilität, Zinsen und Dividenden beeinflussen den Wert ebenfalls. Nach bekannten Ereignissen kann die implizite Volatilität deutlich sinken. Beim Short Straddle steht die vereinnahmte Prämie einem nach oben theoretisch unbegrenzten und nach unten sehr großen Verlust sowie entsprechenden Margin-Anforderungen gegenüber.
Kernaussage
Der Long Straddle kombiniert einen gekauften Call und Put am selben Strike. Sein Verlust am Verfall ist auf die Prämie begrenzt, während große Bewegungen in beide Richtungen positiven Payoff erzeugen können. Der Short Straddle kehrt dieses Profil um und trägt das offene Bewegungsrisiko.