Ein Hedge kann rechnerisch passend dimensioniert sein und trotzdem nicht exakt ausgleichen. Das passiert, wenn die abgesicherte Position und das verwendete Instrument nicht dieselbe Preisbewegung tragen. Die verbleibende Abweichung heißt Basisrisiko.
Was ist Basisrisiko?
Im engen Futures-Sinn ist die Basis die Differenz zwischen Kassa- und Future-Preis. Basisrisiko ist das Risiko, dass sich diese Differenz zwischen dem Aufbau und dem Abbau eines Hedges unerwartet verändert. Im Portfoliomanagement wird der Begriff breiter verwendet: Hedge und abgesicherte Position reagieren nicht exakt gleich, weil Laufzeit, Referenzzins, Bonität, Währung oder ein anderer Risikofaktor abweichen.
Basis = Kassapreis − Future-Preis
Ein Hedge tauscht damit meist ein großes Marktrisiko gegen ein kleineres relatives Risiko. Er muss nicht perfekt sein, um nützlich zu sein. Entscheidend ist, welche Abweichung übrig bleibt und ob sie in Stressphasen größer werden kann.
Beispiel: Unternehmensanleihe gegen Treasury-Future
Eine Unternehmensanleihe reagiert auf zwei getrennte Größen. Steigt die risikofreie Zinskurve, fällt ihr Kurs über die Duration. Weitet sich zusätzlich der Credit Spread, fällt der Kurs ein zweites Mal. Ein Treasury-Future kann den ersten Teil über den DV01 ausgleichen. Das Kreditrisiko neutralisiert er nicht.
Angenommene Werte: Die modifizierte Duration der Unternehmensanleihe beträgt 5. Der Zins-DV01 wird mit einem Treasury-Future passend abgesichert. Weitet sich der Kreditspread anschließend um 0,50 Prozentpunkte, verliert die Anleihe über ihre Spread-Sensitivität näherungsweise 2,5 %. Dieser Verlust bleibt bestehen, obwohl der Zinshedge technisch funktioniert.
Abgesichert
- ein Teil der Bewegung der risikofreien Zinskurve
- der gewählte DV01 zum Zeitpunkt des Aufbaus
- das Risiko, für das der Future konstruiert wurde
Nicht automatisch abgesichert
- Credit Spread und Bonitätsänderung
- abweichende Laufzeiten und Kurvensegmente
- Realzins, Inflation und eingebettete Optionen
Bei TIPS entsteht eine weitere Abweichung: Die Anleihe reagiert auf Realrenditen, der Treasury-Future auf Nominalrenditen. Verändert sich die Breakeven Inflation, laufen beide Seiten auseinander. Bei MBS verschieben Prepayments zusätzlich Duration und Konvexität.
Basisrisiko bei einer Währungsabsicherung
Auch ein FX Future kann nur die Exponierung absichern, auf die er dimensioniert wurde. Steigt oder fällt der Wert der Dollar-Anlagen, verändert sich das Fremdwährungsrisiko, während die Kontraktgröße zunächst gleich bleibt. Der Hedge wird zu groß oder zu klein.
Weitere Abweichungen entstehen, wenn Hedge und Risiko auf unterschiedliche Währungen lauten. Auch die Reaktion eines Aktienkurses auf den Wechselkurs oder ein abweichender Verlauf von Future und Kassamarkt kann beide Seiten trennen. Ein Währungshedge reduziert dann die dominante Bewegung, gleicht aber nicht jeden Pfad exakt aus.
Wie Basisrisiko kontrolliert wird
- Passendes Instrument: Referenzwert, Währung und Laufzeit sollen möglichst nahe an der Position liegen.
- Passende Risikoeinheit: Bei Zinsen wird über DV01 statt nur über Nominalwerte verglichen.
- Regelmäßige Prüfung: Marktwerte, Duration und Währungsexponierung verändern sich.
- Stresstest: Der Hedge wird auch für Spread-Ausweitungen, Kurvenänderungen und sprunghafte Märkte gerechnet.
Wird nur eine Risikokennzahl auf null gesetzt, können andere Risiken unverändert stehen bleiben. Ein vollständig neutralisierter Zins-DV01 macht einen Kreditspread-Verlust sichtbarer, weil der ausgleichende Zinsgewinn fehlt. Ein Hedge ist deshalb eine Entscheidung über einzelne Risikofaktoren, nicht über das gesamte Portfolio.
Kernaussage
Basisrisiko entsteht, wenn Position und Hedge nicht gleich reagieren. Es ist kein Beweis für einen nutzlosen Hedge. Es zeigt, welches relative Risiko nach der Absicherung verbleibt und deshalb separat gemessen, begrenzt und überwacht werden muss.