Allgemein Sicherheitsleistung / Einschuss (Initial, Maintenance, Variation Margin)

Margin

Ein Futures-Kontrakt über 135.000 US-Dollar Gegenwert lässt sich mit wenigen Tausend US-Dollar auf dem Konto handeln. Möglich macht das die Margin: keine Anzahlung und kein Kaufpreis, sondern eine Sicherheitsleistung, deren Mechanik man verstanden haben muss, bevor man den ersten Kontrakt handelt.

Was ist Margin?

Margin ist die Sicherheit, die Broker und Clearinghaus für eine gehebelte Position verlangen, damit Verluste jederzeit gedeckt sind. Bei Futures ist sie kein Teilkaufpreis: Der Kontrakt wird nicht bezahlt, sondern besichert. Drei Begriffe strukturieren das System:

1
Initial Margin: die Sicherheit, die beim Eröffnen der Position auf dem Konto verfügbar sein muss.
2
Maintenance Margin: die niedrigere Schwelle, die danach dauerhaft gehalten werden muss; darunter beginnt der Ernstfall.
3
Variation Margin: die tägliche Verrechnung der Gewinne und Verluste (Mark to Market), die das Konto jeden Handelstag belastet oder füllt.

Praxisbeispiel

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Für einen Euro FX Future (6E, 125.000 Euro, Gegenwert bei Kurs 1,0800 rund 135.000 US-Dollar) verlangt die Börse eine Initial Margin von 2.600 US-Dollar; die Höhe setzen Börse und Broker nach der Marktvolatilität fest und passen sie laufend an. Fällt der Kurs an einem Tag um 0,0080, verliert eine Long-Position 1.000 US-Dollar, die abends als Variation Margin vom Konto abgebucht werden. Nach wenigen solcher Tage ist die Maintenance-Schwelle erreicht, obwohl die ursprüngliche Sicherheit vollständig hinterlegt war.

135.000 USD
Kontraktgegenwert 6E
bei 1,0800 (Beispiel)
2.600 USD
Initial Margin (Beispiel)
rund 2 % des Gegenwerts
1.000 USD
Tagesverlust bei −0,0080
wird sofort verrechnet

Margin Call und Zwangsliquidierung

Rutscht das Konto unter die Maintenance Margin, fordert der Broker Nachschuss (Margin Call) oder stellt Positionen automatisch glatt. Bei den meisten modernen Brokern gibt es keine Wartefrist: Die Zwangsliquidierung läuft automatisiert, sobald die Schwelle verletzt ist, und zwar zu den dann herrschenden Kursen, im schlechtesten Fall mitten in einer Panikbewegung. Wer eine Absicherungsposition per Zwangsliquidierung verliert, steht danach ungesichert da, oft genau in dem Moment, in dem die Absicherung gebraucht würde.

Margin ist nicht der Liquiditätsbedarf

Der häufigste Anfängerfehler: ein Konto so zu bemessen, dass es gerade die Initial Margin deckt. Der tatsächliche Bedarf ist Initial Margin plus Puffer für die Variation Margin ungünstiger Wochen. Das gilt besonders für Absicherungen: Der Buchgewinn im Depot gleicht den Future-Verlust wirtschaftlich aus, erzeugt aber kein Cash. Je nach Broker stützt der Depotwert zwar die Sicherheitenbasis, die tägliche Variation Margin fließt trotzdem in Geld ab; bei getrennten Konten fehlt selbst diese Stütze. Dazu kommt, dass Börsen und Broker die Margin-Anforderungen gerade in turbulenten Phasen erhöhen. Wie viel Puffer angemessen ist, bemisst sich am möglichen Verlust der Future-Seite, nicht am Bauchgefühl; als Bezugsgröße dient der Netto-Liquidierungswert und für die Verlustschätzung ein Maß wie der Value at Risk.

Kernaussage

Sicherheit plus tägliche Abrechnung

Margin besichert gehebelte Positionen: Initial Margin zum Einstieg, Maintenance Margin als Haltelinie, Variation Margin als tägliche Gewinn- und Verlustverrechnung. Wer nur die Initial Margin vorhält, delegiert die Entscheidung über seine Position an die Zwangsliquidierung des Brokers; wer einen ausreichenden Puffer plant, behält sie selbst.