Was sind Shadow Greeks?
Die Lehrbuch-Greeks gehen von einer Welt aus, die es nicht gibt: konstante Volatilität. Shadow Greeks zeigen, was in der echten Welt passiert.
In der Realität bewegt sich die implizite Volatilität mit dem Kurs mit. Fällt der Markt, steigt die Volatilität. Steigt der Markt, sinkt sie. Die Standard Greeks ignorieren diese Korrelation vollständig und unterschätzen dadurch das tatsächliche Risiko. Shadow Greeks korrigieren diesen blinden Fleck.
Wie funktionieren Shadow Greeks?
Der Grundgedanke ist einfach: Statt die Volatilität einzufrieren und nur den Kurs zu bewegen (Standard Greeks), bewegen Shadow Greeks Kurs und Volatilität gleichzeitig – so wie es in echten Märkten geschieht.
Shadow Greeks in der Praxis
Shadow Gamma
Das theoretische Gamma ist symmetrisch: Die Delta Änderung bei +1% Kursbewegung ist identisch zur Delta Änderung bei −1%. In der Realität ist das nie der Fall, weil ein Kursfall die Volatilität nach oben treibt und ein Kursanstieg sie senkt.
Up Gamma
Down Gamma
- Delta Änderung bei fallendem Basiswert
- Inkl. Volatilitätsreaktion (IV steigt bei Fall)
- Systematisch größer (negativer Skew)
Shadow Theta
Theoretisches Theta misst den Zeitwertverfall bei konstanter Volatilität. In der Praxis sinkt die Volatilität in ruhigen Märkten typischerweise mit – der reale Verlust ist dann schlimmer als vorhergesagt.
Ruhiger Markt
- Volatilität sinkt zusätzlich zum Zeitablauf
- Realer Verfall stärker als theoretisch
- Shadow Theta > Standard Theta
Vor Events
- Volatilität steigt trotz Zeitablauf
- Reverse Decay: Option verliert kaum an Wert
- Shadow Theta < Standard Theta (evtl. positiv)
Power Vega
Professionelle Händler addieren Vega niemals roh über alle Laufzeiten hinweg, weil kurzfristige Volatilität impulsiver reagiert als langfristige. Power Vega normalisiert diesen Effekt:
Power Vega = Vega / √T
In Crashszenarien kann der Unterschied zwischen Standard Delta und Shadow Delta 30–50% betragen. Wer auf Basis theoretischer Greeks hedgt, ist in Stressphasen systematisch unter-gehedgt. Das ist einer der Hauptgründe, warum professionelle Risikomanager Shadow Greeks verwenden.
Kernaussage
Die Welt, in der Volatilität konstant bleibt, existiert nicht. Kurs und Volatilität bewegen sich immer gemeinsam. Shadow Greeks berücksichtigen diese Korrelation und liefern deshalb ein deutlich realistischeres Risikobild als Standard Greeks – besonders in den Momenten, in denen es darauf ankommt: in Stressphasen.