Anleihen / Fixed Income IG / HY / Sub Investment Grade / Junk Bonds

Investment Grade und High Yield

Eine einzige Ratingstufe kann darüber entscheiden, ob eine Anleihe in den Portfolios von Versicherungen und Pensionskassen liegen darf oder nicht. Diese Trennlinie verläuft zwischen BBB− und BB+ und teilt den Markt für Unternehmensanleihen in zwei Welten: Investment Grade und High Yield.

Was bedeuten Investment Grade und High Yield?

Ratingagenturen wie S&P, Moody’s und Fitch benoten die Fähigkeit eines Schuldners, Zinsen und Tilgung pünktlich zu zahlen. Die Skala reicht bei S&P und Fitch von AAA (höchste Qualität) bis D (Zahlungsausfall), bei Moody’s von Aaa bis C. Investment Grade (IG) umfasst alle Stufen von AAA bis BBB− (bei Moody’s: Aaa bis Baa3), High Yield (HY, auch Sub Investment Grade oder umgangssprachlich Junk) alles ab BB+ (Ba1) abwärts. Je schlechter das Rating, desto höher der Credit Spread, den der Markt als Ausfallvergütung verlangt.

Die Ratingskala und die IG/HY-Trennlinie (S&P/Fitch, in Klammern Moody’s)

Die Ratingskala und die IG/HY-Trennlinie AAA (Aaa) höchste Qualität AA / A (Aa / A) sehr solide BBB+ bis BBB− (Baa1 bis Baa3) unterste IG-Stufen Trennlinie: darunter beginnt High Yield BB / B (Ba / B) spekulativ CCC bis D (Caa bis C) hohes Ausfallrisiko bis Ausfall

Warum die Trennlinie so viel Gewicht hat

Die Grenze ist nicht nur eine Note, sie ist eine Marktstruktur. Viele institutionelle Anleger dürfen per Mandat nur Investment Grade halten. Verliert ein Emittent sein IG-Rating (ein sogenannter Fallen Angel), müssen viele dieser Anleger verkaufen, je nach Mandat mit Übergangsfristen, aber am Ende unabhängig vom Preis. Deshalb ist die Stufe BBB die meistbeobachtete des ganzen Markts: Dort sammeln sich Emittenten, die gerade noch IG sind, und dort entstehen bei Herabstufungen die größten Zwangsbewegungen, aber für flexible Anleger auch immer wieder Gelegenheiten, wenn Zwangsverkäufe den Preis unter den fairen Wert drücken.

Investment Grade (AAA bis BBB−)

  • Niedrige historische Ausfallraten, engere Spreads
  • Verhalten wird stark vom Zinsrisiko (Duration) geprägt
  • Breite Käuferbasis: Versicherer, Pensionskassen, Zentralbanken

High Yield (ab BB+)

  • Deutlich höhere Spreads als Vergütung für reale Ausfallrisiken
  • Verhalten näher am Aktienmarkt als am Zinsmarkt, besonders in Krisen
  • Emittenten oft stärker verschuldet oder zyklischer
Ratings sind Meinungen mit Verzögerung

Agenturen bewerten gründlich, aber langsam: Der Markt preist eine Verschlechterung meist Monate vor der Herabstufung ein, der Spread läuft dem Rating voraus. Ein Rating ersetzt darum keine eigene Analyse, es beschreibt den Status, nicht die Richtung. Aussagekräftiger ist oft der Vergleich von Spread und Ratingstufe: Handelt eine BBB-Anleihe auf BB-Niveau, sagt der Markt etwas anderes als die Agentur; das kann an schlechterer Liquidität, dem Rang der Anleihe oder einem Ereignisrisiko liegen, ist aber in jedem Fall ein Prüfauftrag.

Kernaussage

Eine Grenze, zwei Anlageklassen

Investment Grade und High Yield trennt formal eine Ratingstufe (BBB− zu BB+), praktisch aber eine ganze Marktmechanik: andere Käufer, andere Spreads, anderes Krisenverhalten. Wer Unternehmensanleihen kauft, entscheidet mit dieser Einordnung zuerst über den Charakter des Risikos und erst danach über den einzelnen Emittenten.