Der Strangle ähnelt dem Straddle, verwendet aber zwei auseinanderliegende Strikes. Dadurch ist die Prämie meist niedriger und die Verlustzone am Verfall breiter.
Was ist ein Strangle?
Ein Long Strangle kombiniert den Kauf eines Puts unterhalb und eines Calls oberhalb des aktuellen Kurses, beide aus dem Geld, mit demselben Verfall. Zwischen den Strikes verfallen beide Optionen am Verfall ohne inneren Wert.
Der maximale Verlust ist die gezahlte Gesamtprämie. Weil beide Optionen aus dem Geld liegen, ist diese Prämie bei vergleichbarer Laufzeit meist niedriger als bei einem Straddle am Geld.
Ein Short Strangle verkauft Put und Call mit denselben Eigenschaften. Zwischen den Strikes wird am Verfall die gesamte Prämie behalten. Außerhalb der Strikes sinkt der Gewinn zunächst; ein Nettoverlust entsteht erst unter dem unteren oder über dem oberen Break-even. Bei einer Aktie ist das Verlustpotenzial nach oben theoretisch unbegrenzt und nach unten durch einen Kurs von null begrenzt, kann aber sehr groß sein. Die Rechnung gilt vor Gebühren, Finanzierung und möglichen Folgen vorzeitiger Zuteilung.
Straddle oder Strangle: derselbe Gedanke, anderer Preis
Teurer in der Prämie, reagiert früher: Jede Bewegung weg vom Strike baut inneren Wert auf. Break-Evens liegen näher am Kurs.
Niedrigere Prämie, aber mehr Weg bis zu den Break-Evens. Zwischen den Strikes verfallen beide Optionen ohne inneren Wert.
Praxisbeispiel
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Eine Aktie steht bei 100 Euro. Der Put mit Strike 95 kostet 1,20 Euro, der Call mit Strike 105 kostet 1,30 Euro. Der Strangle kostet damit 2,50 Euro je Aktie. Die Break-evens am Verfall liegen bei 92,50 und 107,50 Euro. Bei einem Schlusskurs von 106 Euro ist der Put wertlos und der Call 1 Euro wert. Der Long Strangle verliert 1,50 Euro je Aktie; der spiegelbildliche Short Strangle gewinnt 1,50 Euro. Bei einem Standardkontrakt je Optionsbein mit jeweils 100 Aktien sind das 150 Euro, jeweils vor Kosten.
Vor dem Verfall wirken dieselben Größen wie beim Straddle. Ein Anstieg der impliziten Volatilität erhöht den Positionswert bei sonst gleichen Bedingungen über das Vega. Beim Long Strangle wirkt der Zeitablauf typischerweise über das Theta in die Gegenrichtung.
Beim Long Strangle entsteht zwischen den Strikes der maximale Verlust in Höhe der gezahlten Prämie. Beim Short Strangle liegt dort der maximale Gewinn. Die Break-even-Grenzen berücksichtigen zusätzlich die Gesamtprämie. Vor dem Verfall können Änderungen der Volatilität und der Restlaufzeit zu anderen Buchgewinnen oder Buchverlusten führen. Margin und vorzeitige Zuteilung bei amerikanischen Optionen sind gesondert zu beachten.
Kernaussage
Der Strangle kombiniert einen Put unterhalb und einen Call oberhalb des aktuellen Kurses. Gegenüber dem Straddle ist die Prämie meist niedriger, dafür liegen die Break-Evens weiter auseinander. Long und short entstehen spiegelbildliche Bewegungsprofile.